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12. Mai 2022

"So hart arbeiten Erzieherinnen"...

...darüber schreibt Alexander Hagelüken in der Süddeutschen Zeitung und weist auf die Arbeitsbedingungen hin, die zwar vielen Eltern bekannt sein müssten, die aber nicht die entsprechende Beachtung zu finden scheinen. Warum ist das ein besonderer Beruf, um den es geht?

Weil - anders als dort, wo standardisierte Dienstleistungen bereitgestellt werden - es keine fertige Dienstleistung gibt, sondern sie erst im Vollzug mit dem Gegenüber entsteht. Deswegen, weil das Gegenüber ein konkretes, in seiner Eigenheit zu beachtendes ist, lässt sich der Vollzug nicht planen wie im Produktionsprozess, mit Abweichungen muss immer gerechnet werden, sie machen den Alltag geradezu aus. Das macht den Beruf besonders fordernd für diejenigen, die ihn ausüben.

Ähnliches zeigt sich auch in der Sphäre ärztlichen Handelns. In Heft 4 (2012) der Zeitschrift Kinder- und Jugendarzt beschreibt Hendrik Crasemann (S. 208, "Die unorganisierte Praxis") dasselbe Phänomen, er schildert die erste halbe Stunde nach Öffnung seiner Kinderarztpraxis. Deutlich wird daran, dass ein Praxisablauf in dessen Zentrum die Behandlung von Kindern steht, sich noch weniger durchplanen lässt als einer, der sich auf Erwachsene richtet, denn das Leben lässt sich nicht planen, ganz besonders dann, wenn es mit Leid verbunden ist. Diese krisenhafte Seite gilt für alle Berufe, die keine standardisierten Dienstleistungen in dem Sinne erbringen, dass das Produkt schon feststeht, sondern der Patient in seiner Einzigartigkeit im Zentrum steht. In der Professionalisierungstheorie spricht man davon, dass diese "Berufe", die im Grunde keine Berufe, sondern Professionen sind, ein Widerspruch für das Handeln grundlegend ist. Auf der einen Seite handelt es sich um eine Dienstleistung, die einen klar eingegrenzten Auftrag hat, auf der anderen Seite aber steht im Zentrum ein leidender oder verwundbarer Mensch in seiner Entwicklung. Beides muss miteinander vermittelt werden, deswegen bedarf es einer besonderen Form der Ausbildung.

Sascha Liebermann

4. August 2014

"Kinder sind nur Wahlkampfthema"

In einem Beitrag auf Zeit Online äußert sich die Leiterin einer Berliner Kita über die Bedinungen, unter denen sie arbeiten muss, die Herauforderungen, vor denen sie täglich steht und die skandalöse Personalsituation. Wer Kinder in dem Alter hat, dem sind die Zustände vertraut. Dabei geht es nicht um fehlende Mitarbeiter, sondern um die Definition wieviele Kinder auf einen Erzieher kommen. Gegen Ende des Beitrags wirft sie Fragen auf:

"...Viel ist über die Studie zum Betreuungsgeld [siehe unseren Kommentar hier] geschrieben worden. Doch einige Fragen haben die Wissenschaftler des Deutschen Jugendinstituts und der Universität Dortmund außer Acht gelassen. 
Nutzen Eltern vielleicht das Betreuungsgeld, weil ihnen die Öffnungszeiten der Kita nicht ausreichen, um wieder arbeiten gehen zu können? Weil die Kitakosten zu hoch sind? Weil sie nicht wollen, dass ihr kleines Kind in einer zu großen Kindergruppe von zu wenigen Erzieherinnen und Erziehern betreut wird? Weil die Qualität der Bildungsarbeit nicht ausreichend ist? Weil der Weg zu weit ist? Weil die Tradition des Herkunftslandes dies gebietet?
Die Frage heißt für mich nicht Betreuungsgeld oder Kita. Nur wenn das System frühkindlicher Bildung in und durch die Kita von der sogenannten Bildungsrepublik Deutschland ausreichend bundesweit einheitlich finanziert und generell gefördert wird, haben Familien eine wirkliche Wahlmöglichkeit. Und Kinder endlich die Bildungschancen, die ihnen in einem modernen Land zustehen müssen."

Im Unterschied zur Studie des DJI, auf die sie verweist, stellt sie Fragen, die in die Untresuchung hätten Eingang finden müssen.

Gegen Ende geht es dann um die "Wahlmöglichkeit", die Eltern zur Verfügung stehen sollte. Unter dem Schlagwort der "Wahlfreiheit" bestimmte es die Debatte über das Betreuungsgeld und bestimmt noch heute die Diskussion um Familie und Kinderbetreuung. Und wieder stehen die Eltern im Zentrum, denn sie sind es, die wählen können sollen. Doch die Verantwortung gegenüber den eigenen Kindern ist keine Frage der "Wahl" (siehe auch hier). Wenn es um das Wohl der Kinder gehen soll, dann müssten sie im Zentrum stehen, gerade wenn es um die Frage der Fremdbetreuung geht. Um darüber zu befinden, lässt sich ein einfaches Kriterium bestimmen: Wollen die Kinder in eine Kita bzw. einen Kindergarten oder wollen sie nicht? Und wenn sie nicht wollen, sollten sie zuhause bleiben können. Denn, welcher Erwachsene würde denn für sich gelten lassen, dass jemand anderes ihm sagt, was er zu wollen und gut zu finden habe?

Sascha Liebermann