23. September 2019

"My wife doesn't work" - es sollte selbstverständlich sein...


...ist es aber keineswegs. Es gehört noch immer zu den Selbstverständlichkeiten in der Grundeinkommensdiskussion, dass man in einem Vortrag ausführlich über die Seite "unbezahlter Arbeit" spricht, über die Bedeutung von "Haushaltstätigkeiten", hier ganz besonders: Erziehung, und in der Diskussion ist dieses Thema dann einfach weg, verschwunden. Allenfalls wird noch erwähnt, dass es besserer Arbeitszeit-Modelle bedarf, was den Vorrang von Erwerbstätigkeit nur im Zeitumfang minderte, nicht aber in seiner normativen Bedeutung.

Sascha Liebermann

20. September 2019

"What I have done I have done because it has been play"


"...that some total unknown that nobody ever heard before comes along" - this might be Andrew Yang


"Donald Trump is a symptom of this 4th industrial revolution"


19. September 2019

Kurzarbeitergeld zwischen hilfreicher Überbrückung und Hemmnis für Strukturwandel...

...damit befasst sich Stefan Sell und wirft ein Licht auf die Ambivalenzen von Kurzarbeit, die angesichts der konjunkturellen Verschlechterung wieder in der Diskussion ist. Insbesondere diese Passage gegen Ende ist aufschlussreich:

"Letztendlich berührt das vorgeschlagene Transformations-Kurzarbeitergeld eine ganz entscheidende Grundsatzfrage: Wenn es richtig ist, dass zwar viele heute bestehende Arbeitsplätze wegfallen werden aufgrund der technologischen Entwicklung im Zusammenspiel mit der Verschiebung von Produktlinien, gleichzeitig aber auch zahlreiche neue Jobs entstehen, dann muss man das Problem lösen, die (Noch)Beschäftigten in die neuen Tätigkeitsfelder zu qualifizieren und sie dann dort auch zu platzieren. Aber ob das in einem über die neue Leistung aus öffentlichen Mitteln subventionierten Teil des bisherigen Unternehmens gelingen wird und kann, ist eine offene und zu diskutierende Frage. Und die damit verbundene Frage wird noch weiter angereichert, wenn man zu bedenken gibt, dass überhaupt erst einmal klar sein müsste, wohin man denn die Betroffenen qualifizieren soll und kann. An dieser Stelle kann man derzeit zahlreiche skeptische Fragezeichen anbringen. Summa summarum wird das Instrument der Kurzarbeit hier – möglicherweise – deutlich überdehnt und man könnte die erheblichen öffentlichen Mittel anders einsetzen."

Sell resümiert seinen Beitrag über die Ambivalenz von Kurzarbeit, wodurch eines wieder einmal deutlich wird. Wenn Einkommensabsicherung in einer verlässlichen Weise als legitime Dauerabsicherung nicht zur Verfügung steht (das wäre ein Bedingungsloses Grundeinkommen),  sondern nur über Erwerbstätigkeit als legitim erachtet wird, dann stellt sich immer die Frage, wie Arbeitsplätze erhalten oder geschaffen bzw. Qualifikationen für diese erworben werden können. Sells Beitrag lässt erkennen, inwiefern hier Strukturwandel verhindert, auf offensive, radikale Automatisierung womöglich verzichtet wird, weil die Folgen unliebsam wären. Vor vielen Jahren schon habe ich dafür Hinweise in Interviews mit Vorstandsvorsitzenden gefunden, dass auch sie von der Frage, was aus Arbeitsplätzen wird, keineswegs frei sind - es war ihnen nicht einmal bewusst, wie sehr es sie beschäftigt (siehe hier). Dass solche Einsichten manchen nicht in den ideologischen Kram passen, steht auf einem anderen Blatt. Zu diesem defensiven Umgang mit Automatisierung passt, was in jüngerer Zeit von Arbeitgeberseite ganz un-unternehmerisch geäußert wurde, als seien Unternehmen Erziehungsanstalten.

Es ist diese geradezu leistungshemmende Seite heutiger Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, die für das Wohlergehen unseres Landes eine Gefahr darstellt. Wenn vor allem zählt, wie viele Erwerbstätige wir haben, wie viel "Beschäftigung" es gibt, statt sich zu fragen, wie viel Wertschöpfung wir haben könnten, wenn auf "Beschäftigungssicherung" verzichtet würde und mehr Selbstbestimmung möglich wäre mit einem BGE, dann denken wir rückwärtsgewandt.

Sascha Liebermann

"Europa sucht händeringend Fachkräfte"...

...auch wenn es anders erscheint, so ist dieser Beitrag von Nicole Rütti in der Neuen Zürcher Zeitung  etwas differenzierter, als der Titel erahnen lässt:

"Es gibt aber einige Faktoren, welche die Klagen über den ausgeprägten Fachkräftemangel relativieren. Zum einen haben die (realen) Löhne – ökonomisch ein guter Knappheitsindikator – in der Schweiz in den zurückliegenden Jahren stagniert. Selbst in besonders betroffenen Branchen wie dem Ingenieurwesen oder den Pflegeberufen lassen sich keine ausgeprägten Lohnsteigerungen feststellen. Zum anderen besteht in der Schweiz nach wie vor ein relativ grosses Reservoir an nicht ausgeschöpften Arbeitskräften. 2018 belief es sich auf 830 000 Personen.

Das Hauptproblem ist aber, dass sich das Angebot an Arbeitskräften oftmals nicht mit der Nachfrage der Unternehmen deckt. So lässt sich beispielsweise nicht jeder arbeitslose Landwirt oder Bäcker zum eidgenössisch diplomierten Automatiker ausbilden. Gleichzeitig gibt es beispielsweise bei den Informatikern trotz erheblichem Mangel an Softwareentwicklern, System-Engineers oder Projektmanagern eine relativ grosse Anzahl an Stellensuchenden. Denn viele von ihnen bringen nicht die geforderte Spezialisierung mit, beherrschen nicht die neusten Technologien und bekunden auf dem Arbeitsmarkt Mühe."

Es ist also nicht sonderlich erkenntnisträchtig, einfach Stellenangebote zu Stellensuchenden ins Verhältnis zu setzen und zu behaupten, es gäbe doch genügend Stellen. Eigentlich ist das trivial, aber nicht in der oft beschränkt geführten Diskussion.

Zur Diskussion über Fachkräftemangel siehe unsere Beiträge hier.

Sascha Liebermann

3 Billionen Dollar für ein Grundeinkommen - "Die Welt" staunt...


source: tradingeconomics.com

...doch wie so oft, wenn es um Bedingungsloses Grundeinkommen geht, wird nur die Bruttorechnung angestellt (siehe hier), das ist vollkommen sinnlos, ohne die Einnahmeseite hinzuzuziehen. Genau eine solche einzig angemessene Berechnung ist aber nur für die Vergangenheit möglich (siehe hier) Davon einmal abgesehen müssen die Ausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt betrachtet werden (Grafik oben). Dann erscheint der Betrag nicht mehr so gigantisch. Alleine schon daran ist ersichtlich, dass einer ernsthafte Beschäftigung mit der Frage gar nicht angestrebt wird, Skandalisierung hoher Ausgaben scheint das alleinige Ziel.

Sascha Liebermann

18. September 2019

"Plattform 'Arbeit der Zukunft'" - Was ist da wohl zu erwarten?


"Andrew Yang's Campaign"...


"Wie das Grundeinkommen beim Klimaschutz hilft"...

...ein Beitrag von Rainer Ammermann vom Hamburger Netzwerk Grundeinkommen. Über eine besondere Schwierigkeit in der Diskussion um den Klimawandel und hilfreiche Maßnahmen, siehe die Überlegungen von Harald Lesch "Die Lebensleistung einer Generation wird in Frage gestellt". Siehe dazu auch den Beitrag von Sascha Liebermann hier.

17. September 2019

"Lassen Sie uns doch mal über Verkehr reden" - Dienstwagenprivileg und CO2-Besteuerung...

...darum geht es in einem Beitrag von Jens Berger, Redakteur der Nachdenkseiten. Er gibt Einblicke in die Steuergesetzgebung und die Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen - hier anzusetzen, so der Autor, biete einen viel markanteren Ansatzpunkt, um der Zunahme an Geländewagen im Individualverkehr entgegenzuwirken. Der Beitrag ist deswegen erhellend, weil Lösungsvorschläge, wie sie in der öffentlichen Diskussion kursieren, Stichwort CO2-Besteuerung, in ihrer Wirkung zweifelhaft werden. Deswegen ist es wichtig, den Hintergrund für manche Entwicklung auszuleuchten, wie Berger es tut.

Das lässt sich leicht auf manche Frage in der Grundeinkommensdiskussion übertragen, von der Berger nun nicht allzuviel hält, siehe hier.

Sascha Liebermann

"He's promising free money just to win votes"

Dieser Cartoon ist in der San Diego Union-Tribune folgendermaßen übertitelt: "Presidential candidate Andrew Yang announced $120,000 giveaway during debate". Da es keinen Text dazu gibt, erschließt sich nicht, wie die Zeitung auf den Betrag kommt. Yang schlägt, wie bekannt eine "Freedom Dividend" von 1000 US-Dollar im Monat für Personen ab dem 18. Lebensjahr vor. Will die Zeitung in die Irre führen?

Sascha Liebermann