Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat im vergangenen Jahr eine Szenarioanalyse vorgelegt, in der versucht wurde, Auswirkungen abzuschätzen. Es handelt sich um eine Modellanalyse auf der Basis von Annahmen, die zwar Veränderungen erwartet, die für den Arbeitsmarkt insgesamt jedoch unterschiedlich ausfallen und in der Summe dem Schwund bestimmter Arbeitsplätze der Aufbau anderer entspricht. Ausgeschlossen wird aber auch nicht, dass eine negative Entwicklung folgen könnte, das wiederum hängt von Bedingungen ab.
Das Kiel Institut legte Anfang dieses Jahres eine Studie vor, die zu vergleichbaren Ergebnissen gelangte. Wie die IAB-Studie, so geht auch sie davon aus, dass berufsbezogene Anforderungen sich verändern durch die Nutzung von KI, die "Gesamtbeschäftigung" aber eher stabil bleibe (Interview mit Holger Görg, Forschungsdirektor am Kiel Institut, im Deutschlandfunk zu dieser Studie).
Vergangene Woche hielt ich einen Vortrag und wurde - wie könnte es anders sein - nach den Auswirkungen von KI gefragt, denn die Veranstalter erwarteten starke Auswirkungen und sahen deswegen ein Bedingungsloses Grundeinkommen als wichtige Antwort darauf an. Ich wies darauf hin, wie es auch die Studien tun, dass man darüber nichts Genaues sagen könne und die Nutzung von KI von vielen Dingen abhänge, nicht zuletzt von der Erwünschtheit der Technologie angesichts etwaiger Folgen, die sie haben kann. Betrachtet man die öffentlichen Diskussionen zu Auswirkungen technologischen Wandels auf den Arbeitsmarkt wird deutlich, dass sie seit längerer Zeit schon keineswegs sachlich geführt werden. Die Nutzung von Technologien, die menschliche Arbeitskraft ersetzen könnten, wird mit Befürchtungen verbunden, was denn wohl aus den Menschen werde, wenn es zu wenige Erwerbsarbeitsplätze gäbe (siehe diesen Beitrag zu Äußerungen Karsten Wildbergers). Diese Befürchtung kommt von verschiedenen Seiten und lässt tief blicken, weil damit Erwerbstätigkeit offenbar vorwiegend als Beschäftigungsprogramm verstanden wird, um Menschen eine Aufgabe zu geben. Diese Haltung findet sich bei Unternehmern, bei Gewerkschaftsvertretern, den Kirchen, den Parteien und anderen. Sie entwertet Erwerbstätigkeit als Tätigkeit, deren Zweck ist standardisierte Problemlösungen bereitzustellen, sie deklariert Unternehmen zu Beschäftigungsagenturen um, ganz gleich, ob menschliche Arbeitskraft im konkreten Fall benötigt wird oder nicht.Es ist diese Verquickung von Wertschöpfung und Beschäftigungsmaßnahme, die die Frage aufwirft, wie offensiv, wie radikal denn über die Technologienutzung diskutiert werden kann, wie weit zu gehen man bereit ist, wenn stets die Befürchtung lautet, wir bräuchten Erwerbsarbeitsplätze doch der Beschäftigung wegen. Selten vernimmt man Stimmen z. B. von Unternehmern, die herausstellen, dass das Schaffen von Arbeitsplätzen nicht ihre Aufgabe sei. Carsten Maschmeyers Vorschlag eines "Experimentierjahres" ist der zaghafte Versuch, diesbezüglich Freiräume zu gewinnen, im Vergleich zu Götz W. Werners Haltung ist er geradezu ängstlich. Es stellt sich also nicht nur die Frage, welch etwaige Folgen KI denn haben könnte, sondern auch, ob diese Folgen nicht noch gravierender ausfallen könnten, wenn die Bereitschaft dazu bestünde, Technologien radikal zu nutzen.
Ein Bedingungsloses Grundeinkommen schüfe den Boden dafür, solche Diskussionen grundsätzlich zu führen, weil es Erwerbstätigkeit vom Sockel holte und ihren sachlichen Grund ins Zentrum rückte: die Bereitstellung standardisierte Güter und Dienstleistungen.
Sascha Liebermann
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