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16. Januar 2023

KI, Digitalisierung und Bedingungsloses Grundeinkommen haben nur mittelbar miteinander zu tun,...

...auch wenn ihre etwaigen Folgen für die Arbeitswelt immer wieder als vermeintlich gute Begründung für die Einführung eines BGE genannt, geradezu als Notwendigkeit beschworen werden. Es handelt sich aber um eine Verkürzung und sogar Verkehrung, denn es mag zwar so kommen können, dass ein BGE die probate Antwort ist, es ist aber nicht von der Entwicklung des Arbeitsmarktes abhängig, es ist davon unabhängig, obwohl nun gerade angesichts des demographischen Entwicklung wieder seine Abwegigkeit in den Raum gestellt wird (siehe hier und hier). Ein BGE bedarf nur einer Bezugnahme, der auf die bestehende demokratische Ordnung.

Sascha Liebermann

29. Januar 2020

"Warum KI die Arbeit nicht abschaffen wird" - die Erwartung ist aber ohnehin abwegig

Zu diesem Thema schreibt Andrea Komlosy auf Project Syndicate. Darin findet sich folgende treffende Beschreibung:

"Unsere derzeitige enge Definition von Arbeit geht auf das Ende des neunzehnten Jahrhunderts zurück, als die zunehmende Dynamik der Großindustrie zu einer weitgehenden Trennung von Arbeitsplatz und Haushalt führte. In industriellen Kernregionen wurde Arbeit auf die Erwerbsarbeit außerhalb des Hauses reduziert, während Hausarbeit, Subsistenzlandwirtschaft und der nachbarschaftliche Tauschhandel plötzlich nicht mehr als Wert in die Berechnungen einflossen. Diese unbezahlten Tätigkeiten verschwanden weder aus der Peripherie noch aus dem Zentrum der Weltwirtschaft, wurden aber nicht zur Arbeitswelt gezählt. Kein Lohn bedeutete keine Anerkennung, keine statistische Erfassung und keinen Zugang zu öffentlichen Leistungen."

Die Kritik daran, welche Indikatoren für die Erfassung der Wertschöpfung verwendet werden, hier besonders die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, hat schon eine gewisse Tradition. Es läge nahe, den Wert unbezahlter Arbeit in die Erfassung hineinzunehmen, das ist aber nicht nur methodisch problematisch, es suggeriert auch, dass beides vergleichbar sei. Das ist es aber nicht, wenn noch die Besonderheit der Beziehungen in Betracht gezogen wird, die für unbezahlte Arbeit bestimmend sind.

Etwas missverständlich ist folgende Passage:
"Die Lohnbeziehungen wurden zwar erweitert, doch in weiten Teilen der Entwicklungsländer reichten die Löhne nicht aus, um eine Familie zu ernähren, so dass Arbeit im Haushalt und Subsistenzwirtschaft einen Ausgleich schaffen mussten. Und ab den 1980er-Jahren kehrte unbezahlte Arbeit auch in die entwickelten Volkswirtschaften zurück."

Was ist hier gemeint? Denn unbezahlte Arbeit war nie verschwunden, allenfalls wurde sie verlagert oder - wie die Autorin selbst schreibt - nicht bedacht, für nachrangig erklärt, wenn nicht gar ignoriert. Und wer kann sich schon Haushaltshilfen leisten oder möchte sie in Anspruch nehmen? In Deutschland zumindest ist das kein Breitenphänomen, in anderen Ländern, in denen es diesbezüglich eine gewisse Tradition gibt, sicher verbreiteter. Ohnehin ist der Umfang unbezahlter Arbeit nicht durch Messungen zu erfassen, die entscheidende Differenz liegt im Beziehungsgefüge - siehe oben -, das diese Tätigkeiten auszeichnet.

Diese Erklärung hier scheint etwas einfach:

"Im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung und Globalisierung der Warenketten führten die Arbeitgeber immer flexiblere Arbeitsverträge ein und drängten immer mehr Beschäftigte dazu, prekäre Beschäftigungsbedingungen zu akzeptieren."

Das war nicht einfach eine Laune, sondern Ausdruck dafür, diese Entwicklung in bestimmter Weise zu deuten - und zwar aus Sicht der Interessen des Unternehmens, bei aller Kurzsichtigkeit, die darin eine Rolle spielte. Die "Beschäftigten", erscheinen hier schlicht als Opfer, nicht aber als diejenigen, die en gros diese Entwicklung auch hingenommen oder sogar selbst noch begrüßt haben. "Prekär" müssten solche Arbeitsverhältnisse nicht sein, wenn der Einzelne Verhandlungsmacht hätte und zwar grundsätzlich, nicht in Abhängigkeit von der Lage am Arbeitsmarkt. Leiharbeit würde einen anderen Charakter erhalten, es könnte zur Selbstverständlichkeit werden, dass Leiharbeiter besser bezahlt werden müsste als Festangestellte, weil sie ein größeres Risiko tragen.

Am Ende wird es doch recht blass, was die Autorin aus ihren interessanten Beobachtungen schlussfolgert:

"Ein solches Szenario ist nur aufmunternd, wenn es uns gelingt, neue Wege zu finden, um bezahlte und unbezahlte Arbeit gerecht auf alle Bürger zu verteilen. Andernfalls laufen wir Gefahr, letztendlich in einer gespaltenen Gesellschaft zu leben. Wohlhabende Workaholics hätten finanziell lohnende, aber belastende Jobs, während Arbeitslose gezwungen wären, sich auf Subsistenzstrategien zu verlegen, um ihr Grundeinkommen oder ihre Armenfürsorge aufzubessern."

Hier wird offenkundig, dass sie dem Einzelnen doch wenig zutraut, vielleicht ist dies der Grund dafür, weshalb sie den Zugewinn an Verhandlungsmacht durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen nicht thematisiert. Ein BGE lässt auf einfache Weise Zusammenschlüsse zur Vertretung von Interessen zu. Aber auch für Lebensgemeinschaften bzw. Familien wäre der Freiheits- und Machtgewinn durch ein gesichertes (kumuliertes) Haushaltseinkommen enorm. So ließe sich anders über die Frage nachdenken und reden, wie mit der Fürsorge für andere umgegangen wird. denn eines darf angesichts der ungleichen Verteilung von Fürsorgetätigkeiten nicht vergessen werden, ein wesentlicher Grund ist das Erwerbsgebot, ohne dessen Befolgung ein Haushalt kein legitimes dauerhaftes Einkommen erzielen kann.

Siehe auch diesen früheren Kommentar zu einem Interview von Andrea Komlosy.

Sascha Liebermann

23. Mai 2019

"Crowdwork: Menschen trainieren Algorithmen – für ein bis zwei Euro die Stunde"...

...und ein interessanter Einblick darein, wie abhängig Künstliche Intelligenz davon ist, "richtig" gefüttert zu werden. Hier geht es zum Beitrag auf Böckler Impuls.

18. April 2019

" Faktencheck-Algorithmus YouTube verwechselt Brand von Notre-Dame mit dem 11. September "...

...so leistungsfähig scheinen Algorithmen schon zu sein, von denen viele große Umwälzungen erwarten, siehe den Beitrag auf Spiegel Online.

21. Januar 2019

"Neue Arbeitswelten durch KI: Wie sich Arbeit in den nächsten Jahren verändert"...

...ein Beitrag von Momcilo Nikolic in der brutkasten.

Siehe auch "Lebenslanges Lernen. Untiefen eines prominenten Schlagworts" von Sascha Liebermann.

8. Oktober 2018

17. September 2018

"Die Linke hat kein Konzept für die digitale Zukunft"...

...ein Interview mit Stephan Dörner, Online-Chefredakteur des Digitalmagazins t3n. Am Ende wird Dörner dann nach dem Bedingungslosen Grundeinkommen gefragt, das er zu Beginn schon erwähnte:

"Ist das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) eine Lösung?
Noch nie gab es so viel Wohlstand und Wertschöpfung. Trotzdem sind viele Menschen unglücklich, weil sie von der wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt sind. Sie arbeiten häufig in Niedriglohnjobs oder unter prekären Bedingungen. Im Kern muss stehen, einen Weg zu finden, dass wieder ein Großteil der Menschen vom gesamtgesellschaftlichen Fortschritt profitiert – das Bedingungslose Grundeinkommen kann ein Weg dahin sein. Es hat Vor- und Nachteile gegenüber anderen Modellen wie der negativen Einkommenssteuer."

Dörner hatte sich andernorts schon wiederholt durchaus befürwortend zum BGE geäußert.

10. November 2016

Barack Obama über Künstliche Intelligenz und Bedingungsloses Grundeinkommen

Auch wenn sein Nachfolger das anders sehen mag, so hat Barack Obama in einem Interview doch – vorsichtig und treffend – die Einschätzung abgegeben, dass auch die USA in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren nicht um die Debatte um ein Bedinungsloses Grundeinkommen herum kommen, wenn anders menschliche Kreativität und Fürsorge angesichts der Automatisierung routinisierbarer Tätigkeiten erhalten bleiben sollen und überflüssige werdende Arbeit nicht zur – nicht nur ökonomischen – Abwertung der Menschen, die sie bisher ausübten, führen soll. Sein Fehler war, dass er das nicht offensiv vertreten und als Auftrag an seine gewünschte Nachfolgerin weitergereicht hat…  
Thomas Loer

23. September 2016

"Wir dürfen nicht in Angststarre verfallen"...

...ein Interview mit Bundesministerin Andrea Nahles über Digitalisierung, gute Arbeit und das Bedingungslose Grundeinkommen. Mehrfach wird sie auf ihre ablehnende Haltung zum BGE angesprochen. Da die Interviewerin es jedoch nur in Verbindung mit den Folgen der Digitalisierung einführt, reagiert entsprechend Andrea Nahles damit, die Entwicklung anders einzuschätzen. Diese Entgegnungen stehen auf schwachen Füßen, die Engführung von BGE und Digitalisierung aber ebenso, wenn immer auf Studien hingewiesen wird, die eine dramatische Entwicklung erwarten lassen. Das BGE bedarf dieser Verknüpfung nicht, um relevant zu sein, gleichwohl wären wir damit gut vorbereitet, welche Auswirkungen die Digitalisierung auch immer haben wird.

Sascha Liebermann

14. September 2016

"Der Roboter putzt, der Mensch lebt vom Grundeinkommen"...

...ist ein Artikel über den Stand der Forschung zu und die Nutzung von Künstlicher Intelligenz übertitelt, der bei Spiegel Online erschienen ist. Er geht auf einen Bericht der Stanford-University zurück, der hier eingesehen werden kann.

Der Artikel schließt mit folgenden Worten: "Ob die Prognosen der Forscher eintreten werden, ist natürlich unklar. So wie kaum jemand das Internet vor dessen Entstehung vorhergesagt hat, so kann es auch im Bereich KI passieren, dass sich die Technik und die Gesellschaft anders entwickeln wird, als derzeit gedacht. Das wissen die Forscher natürlich selbst, in fünf Jahren wollen sie deshalb einen neuen Bericht mit dem aktuellen Stand der KI veröffentlichen."