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29. August 2018

Lernen und Vergessen...

...damit befasste sich Konrad Paul Liessmann in seiner Kolumne für die Neue Zürcher Zeitung. Ausgang nahmen seine Überlegungen von Diskussionen auf der kürzlich veranstalteten Utopie-Konferenz an der Leuphana-Universität Lüneburg. Liessmann weist treffend darauf hin, dass es bei Bildung nicht darum gehen kann, ständig berauschende Erfahrungen zu machen. Genausowichtig wie solche Erfahrungen sind Ruhephasen, in denen sich nicht viel ereignet, das Erfahrene sich setzen und in Ruhe angeeignet werden kann. Routinen des Alltags sind ein Schutz vor Überforderung, ohne sie wären Erfahrungen nicht möglich. Das sollte bei der Diskussion um Bildungsreformen nicht übersehen werden (siehe hier, hier und hier)

Sascha Liebermann

23. April 2018

"Muntere Materialisten"...

...Konrad Paul Liessmann in der Neuen Zürcher Zeitung. Dort schreibt er unter anderem:

"Wir sind zum Beispiel überzeugt davon, dass die Ökonomie, die Wirtschaft, der Markt die Grundlage und Basis unserer Gesellschaft bilden.

Damit alles andere – Kunst, Wissenschaft, Recht und Politik – sich entfalten kann, muss die Wirtschaft florieren. Nach deren Modell aber bauen wir die anderen Institutionen, Unternehmensideologie und Marktlogik durchdringen alle Lebensbereiche, die ökonomische Basis bestimmt den geistigen und emotionalen Überbau. Das ist Marxscher Materialismus, dem wir munter und fröhlich huldigen, Tag für Tag."

Und weiter schreibt er:

"Und wie Marx sind wir überzeugt davon, dass der eigentliche Fortschritt der Menschen in der Entwicklung der Produktivkräfte, in den technischen Innovationen, in der Produktion unbekannter Bedürfnisse, in der Eroberung neuer Märkte liegt. Soziale Konflikte und Umwälzungen, bis hin zu Revolutionen, ergeben sich nach Marx dann, wenn die entfesselten Produktivkräfte mit den tradierten Produktionsverhältnissen, also den hinterherhinkenden staatlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen kollidieren.

Jeder, der heute freudig erregt davon spricht, dass die Digitalisierung all unsere herkömmlichen Vorstellungen von Arbeit und Recht, von Staat und Gesellschaft, von Liebe und Lust aufsprengen wird, denkt wie ein Marxist. Er weiss es nicht, aber er tut es."

Zwar sind die Überlegungen nicht neu, die Einwände gegen Marx verkürztes, ja geradezu ökonomistisches Verständnis von Gesellschaft wurden von anderen schon vorgebracht. Doch es lohnt sich auf sie aufmerksam zu machen, denn in der BGE-Diskussion finden sie sich wieder, so dass sich zwischen linken und marktliberalen BGE-Kritikern erstaunliche Gemeinsamkeiten erkennen lassen. Siehe auch hier und hier.

Sascha Liebermann

19. September 2017

"Wir binden alles an Lohnarbeit"

Konrad Paul Liessmann äußert sich in diesem Interview im Deutschlandfunk deutlich zu unserem gegenwärtigen Verständnis von Arbeit. Die Ausführungen rufen geradezu nach einem Bedingungslosen Grundeinkommen und dennoch erwähnt er es nicht:

"Liessmann: Wir kriegen es schwer weg, solange wir auch gesamtgesellschaftlich an die Erwerbsarbeit alles binden. Wir binden den Sozialstaat an die Erwerbsarbeit, wir binden die Position, die Stellung, die Anerkennung eines Menschen an die Erwerbsarbeit, wir binden seine Krankenversicherung, seine Sozialversicherungen an die Erwerbsarbeit.
Das heißt, wer jetzt nicht in diesem klassischen Sinne Erwerbsarbeit hat oder Lohnarbeit vorzuweisen hat, einen Arbeitsplatz vorzuweisen hat, ist sofort im Verdacht, ein Schmarotzer zu sein, ein Fall für den Sozialstaat zu sein, nicht selber tätig sein zu können, unfähig zu sein, faul zu sein. Das heißt, das geht sofort, und daher ist völlig klar, dass der Arbeitsplatz und diese Erwerbsarbeit nach wie vor im Zentrum steht.
[...]
Liessmann: Ja, das ist schon richtig. Ich habe auch keine Sorge, dass auch ein Mensch, der nicht ständig unter der Knute der Erwerbsarbeit steht, dass der untätig wäre. Wir sind ja gerne aktiv. Wir sind ja neugierige Menschen. Wir sind auch Menschen, die gerne Schwierigkeiten versuchen zu meistern. Das merken wir ja an unserem Freizeitverhalten, wie viele Menschen in ihrer Freizeit, wo sie es nicht tun müssten, ziemlich aufwendige, schwierige, komplizierte, zum Teil auch gefährliche Dinge machen."

Dabei ist ihm die Diskussion um das BGE offenbar bekannt und er hält sie für "berechtigt". Doch hält er es oder hielt er es für eine "unausgegorene Forderung". Weshalb sie unausgegoren ist, erklärte er nicht.

Sascha Liebermann

1. Mai 2016

Bedingungsloses Grundeinkommen - eine unausgegorene Forderung?

Konrad Paul Liessmann hat in einem Beitrag mit dem Titel "Arme Arbeit" in der Neuen Zürcher Zeitung Stellung bezogen zur Diskussion um mögliche Folgen einer Digitalisierung, die uns zwinge, den Begriff der Arbeit neu zu denken. Er reiht sich damit ein in Prognosen, die in den letzten Jahren häufiger zu lesen sind, die Frage selbst allerdings ist nicht so neu. Davon abgesehen gibt es auch Stimmen, die die Frage teilen, gleichwohl aber vorsichtiger sind mit den Voraussagen, so z. B. Theo Wehner.

Am Ende seines Beitrags schreibt Liessmann:

"Damit diese Chance [der Digitalisierung, SL] genützt werden kann, müssen die ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen diesem Prozess angepasst werden. In diesem Kontext hat auch die derzeitige Debatte über ein bedingungsloses Grundeinkommen durchaus ihre Berechtigung, so unausgegoren die Forderung auch sein mag."

Was ist am BGE denn unausgegoren, das hätte man doch gerne gewusst? Angesichts der sehr differenzierten Überlegungen, die es dazu gibt, der vielen Möglichkeiten, die es für verschiedene Lebensbereiche böte, kann davon keine Rede sein. Es sei denn, man erwartete detaillierte Voraussagen darüber, was denn eintreten werde. Das wäre in der Tat unrealistisch, aber nicht nur im Falle des BGE.

Sascha Liebermann

28. Juli 2012

"Ohne Musse keine Bildung" - im Schweizer Radio DRS

Aus der Ankündigung: "Wikipedia erklärt uns die Welt und mit etwas Zeitungslektüre kann einer im Fernsehen Millionär werden. Aber ist das echte Bildung? Nein, sagt der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann...". Hier geht's zur Sendung