...(https://t.co/ajWzJJIeTW) - "belohnen" oder ermöglichen und was begreifen wir als "Arbeit"? Sie ist auch kein Selbstzweck. Diesbezüglich ist der Beitrag wenig ergiebig, stellt aber eine wichtige Frage.
— Sascha Liebermann (@SaschaLieberman) July 5, 2026
5. Juli 2026
19. Juli 2025
"Arbeit lohnt sich immer!?...
Angesichts der beharrlichen Vorurteile gegenüber Bürgergeldbeziehern bietet eine solche Studie ein Gegengewicht, um Einblick in die differenzierten Lebenslagen der Betroffenen zu erhalten. Was die Studie hier leisten kann, lässt sich nur nach eingehender Lektüre beurteilen, dazu bin ich noch nicht gekommen.
Der Fachverband - nomen est omen - sowie die Einleitung zur Studie lassen zumindest erwarten, dass aufgezeigt wird, welch hohen Stellenwert Erwerbsarbeit nach wie vor hat, und zwar ob ihrer Bedeutung für "soziale Integration". Sollte das so sein, ist das keine überraschende Einsicht, die Frage ist aber, woher das genau rührt und inwiefern diese Wertschätzung von Erwerbstätigkeit zugleich an den realen Lebensverhältnissen vorbeigeht. Dann käme man der Erfahrung auf die Spur, die Bürgergeldbezieher machen, die zum einen objektiv stigmatisiert werden durch die Konstruktion der Sicherungssysteme, die auf dem normativen Vorrang von Erwerbstätigkeit ruhen; zum anderen könnte man damit erklären, weshalb sie diese Stigmatisierung so stark wahrnehmen und als Ausweg daraus nur die Erwerbstätigkeit sehen. Das entspricht ganz der Vorrangstellung, die Erwerbstätigkeit noch immer hat und die überhöht wird.
Allerdings ist die Vorstellung, Erwerbstätigkeit fördere "soziale Integration" zugleich nur die halbe Wahrheit, wenn nicht gar eine Täuschung, wie wir in diesem Blog schon oft zu zeigen versucht haben (siehe hier). Es wäre also eine Analyse dessen zumindest zu skizzieren in dieser Studie, was Erwerbsarbeit auszeichnet und was nicht, weshalb dann differenziert werden müsste zwischen einer Integration, die sich auf den Leistungsbeitrag in Erwerbstätigkeit beschränkt und einer, die die Person um ihrer selbst willen betrifft. Aus diesem Grund ist der Mitarbeiter - siehe erste Form der Integration - im Erwerbsverhältnis austauschbar, denn er übernimmt eine von seiner Person unabhängig zu definierende oder schon definierte Aufgabe, die er zu erledigen hat. Genau dieser Umstand bedingt zugleich die größte Degradierung, die eine Person um ihrer selbst willen erfahren kann, denn es geht nicht um sie, sondern ausschließlich um ihren Leistungsbeitrag. Das wäre nicht weiter von Bedeutung, wenn nicht die illusionäre Vorstellung vorherrschte, soziale Integration erfolge über Erwerbsteilnahme. Insofern geht die Rede davon, wir lebten in einer "Arbeitsgesellschaft" an der Sache vorbei (siehe hier). Man könnte also zugespitzt auch sagen, es gibt keine größere Degradierung der Person um ihrer selbst willen als in Erwerbstätigkeit.Nur, weil Erwerbstätigkeit einen hohen Stellenwert hat, macht sie nicht das gesamte Leben in einem politischen Gemeinwesen aus, schon gar nicht, wenn es um "soziale Integration" geht, denn diese, in der es dann um die Person um ihrer selbst willen geht, erfolgt vor allem über den Status der Person. Der einzig umfänglich integrierende ist hier die Staatsbürgerschaft, weshalb es für ein Gemeinwesen stets erstrebenswert ist, Menschen einzubürgern, die dazu bereit sind. Wenn die Studie diese beiden Dimensionen von "sozialer Integration" nicht auseinanderhalten sollte, womöglich nicht einmal in Erwägung zieht, wäre sie analytisch unterkomplex und reproduzierte nur das "Selbstmissverständnis der Arbeitsgesellschaft" (siehe hier und hier)
Sascha Liebermann
6. Oktober 2020
Der Geist lebt noch fort - gut, dass das Grundgesetz übergeordnet ist
Verfassung Bremen, Art. 8: Jeder hat die sittliche Pflicht zu arbeiten ..— Thomas Oberhäuser (@ThoOb) October 4, 2020
Verfassung Hessen, Art. 28: Jeder hat die .. sittliche Pflicht zur Arbeit.
Bedingungsloses #Grundeinkommen
19. Mai 2020
"Arbeit – demokratisieren, dekommodifizieren, nachhaltig gestalten" - ein blasses Manifest, erwerbsbezogen, keine Rede von Grundeinkommen...
"Ein Weg, um dies zu erreichen, ist die Schaffung einer Arbeitsplatzgarantie ("job guarantee"). Artikel 23 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte erinnert uns daran, dass jeder Mensch "das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf angemessene und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz gegen Arbeitslosigkeit" hat. Eine Arbeitsplatzgarantie würde nicht nur jeder Bürgerin und jedem Bürger Zugang zu einer Arbeit bieten, die ein Leben in Würde ermöglicht, sie würde auch unsere kollektive Fähigkeit entscheidend stärken, die vielen drängenden sozialen und ökologischen Herausforderungen zu bewältigen, vor denen wir gegenwärtig stehen. Eine Arbeitsplatzgarantie würde es den Regierungen ermöglichen, auf lokaler Ebene menschenwürdige Arbeit bereitzustellen und gleichzeitig zu den immensen Anstrengungen im Kampf gegen den ökologischen Zusammenbruch beizutragen."
Siehe unseren früheren Beitrag dazu hier, zum "Recht auf Arbeit" hier.
Wer eine "Dekommodifizierung" des Lebens erreichen will, muss das Erwerbsgebot aufheben und die Existenzsicherung davon unabhängig gestalten. Das leistet aber nur ein Bedingungsloses Grundeinkommen.
Es scheint ja eine Zeit der Aufrufe und Unterschriftensammlungen zu sein, das geht sicher auf die besondere Situation zurück. Aber was soll ein so allgemein gehaltenes international verbreitetes Manifest denn bewegen, wenn nicht zugleich eine öffentliche Debatte geführt wird? Die muss in jedem Land entlang der jeweiligen Problemlagen und Selbstverständnisse geführt werden, dort liegt der einzige Ansatzpunkt für Veränderungen, die konkret werden sollen. Das zeigt der Verlauf der jüngeren BGE-Diskussion recht klar.
Sascha Liebermann
13. Dezember 2019
"Irgendwer zahlt immer - Vom Wert der Arbeit"...
5. November 2019
"Das Leben kann nicht nur darin bestehen, sich den Arsch aufzureissen"...
"Arbeitest du auch des Geldes wegen?
Schau, wenn du mir die Frage stellst «Wofür arbeitest du?», dann würde ich sagen: «Ich arbeite für meine Freude.» Und wenn du mich fragst: «Wofür arbeitest du wirklich?», dann sage ich: «Es besteht wohl der Verdacht, dass ich für meine Wertschätzung arbeite – und dabei erlebe ich viel Freude.» Aber Geld als Motivator? Nein. Auch wenn kein Geld zu haben, eine Menge Stress bedeutet. Ich habe in verschiedenen Phasen in meinem Leben wenig bis kein Geld gehabt und das als äusserst unangenehm empfunden.
Wenn du merkst, dass du nicht mehr in der Lage bist, deinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, dann werden aus Auslagen Forderungen. Und aus den Forderungen werden potenziell unangenehme Konsequenzen. Es macht mich sehr betroffen, dass im Kanton Zürich rund 100'000 Menschen unter dem Existenzminimum leben müssen."
Und hier:
"Das ist auch eine der Hoffnungen, die beim bedingungslosen Grundeinkommen mitschwingen: dass die Arbeitslosen ihr Stigma loswerden. Apropos: Was hältst du vom bedingungslosen Grundeinkommen (BGE)?
Für mich ist das BGE die einzig vernünftige Antwort auf all die Herausforderungen, die auf uns zukommen. Und ich glaube, dass es finanzierbar ist. Aktuell fliessen von jedem aufgewendeten Sozialfranken via Arbeitslosenversicherung, Sozialversicherung und Invalidenversicherung 80 Rappen in die Verwaltungskosten, weil jeder Fall seinen Betreuer benötigt. Mit dem BGE würde ein Grossteil dieser Aufwände wegfallen. Und zweitens: Das Leben kann doch nicht nur darin bestehen, sich den Arsch aufzureissen. Viele Leute sind frustriert, weil die Arbeit einen derart hohen Stellenwert hat, und daneben alles zu kurz kommt: Freunde, die Familie, persönliche Interessen."
30. Oktober 2019
Mangelnde Phantasie? Joschka Fischer sorgt sich um Folgen der Digitialisierung...
"Auch die digitale Revolution und die zunehmende Übernahme der menschlichen Arbeit durch intelligente Maschinen habe das Potenzial, zu einer 'existenzgefährdenden Bedrohung für die Demokratie' zu werden. Er könne sich eine Gesellschaft, in der die Mehrheit unproduktiv sei, nicht vorstellen. Das werde nicht funktionieren, schon gar nicht langfristig – man könne Menschen nicht sagen: 'Tut uns leid, Maschinen sind produktiver, wir haben keine Arbeit mehr für euch.'"
Weshalb würde diese Entwicklung als solche existenzbedrohend sein? Eine Bedrohung kann daraus nur werden, wenn nicht die angemessenen Schlüsse gezogen werden und an Vorstellungen festgehalten wird, die dann nicht mehr passen. Die Demokratie selbst bietet genügend Anknüpfungspunkte für eine andere Ausrichtung des Sozialstaats, für eine, die sich an den Grundfesten der Demokratie orientiert, den Bürger und nicht den Erwerbstätigen ins Zentrum stellt. Das kann Fischer womöglich nicht sehen. Interessant ist hier auch, dass Fischer eine eventuelle Reduktion der Bedeutung von Erwerbstätigkeit damit gleichsetzt, unproduktiv zu sein, als gäbe es nur diese eine Form produktiven Tätigseins. Und auch der Schlusssatz lässt tief blicken, als müsse "Arbeit" vergeben bzw. verteilt werden. Wo Menschen sind, ist Arbeit, könnte man gelassen dagegensetzen, die Frage ist nur, ob diese Arbeit dann auch als solche anerkannt und wertgeschätzt wird. Im Passus direkt danach heißt es:
"Ein bedingungsloses Grundeinkommen, wie es auch von Teilen der Grünen gefordert wird, hält Fischer in dem Zusammenhang für keinen Ausweg. Die Debatte darüber sei zwar richtig und wichtig, sie werde aber verkürzt als sozialpolitische Debatte geführt. Es gehe um mehr. Das Erwachsenenleben sei schon immer um Arbeit herum organisiert gewesen, sie liefere nicht nur Einkommen, sie entscheide auch über den sozialen Status, liefere soziale Kontakte. 'Das kann man nicht einfach rausnehmen und sagen, alle ab in die Hängematte', so Fischer. Insofern müsse man aus westlicher Sicht alles versuchen, dass es soweit nicht komme."
Die Hängematte als Sinnbild für Niedergang und Verwahrlosung - auch bei Fischer. Dabei hält er an Illusionen fest, Illusionen darüber, was Erwerbsarbeit alles leiste. "Soziale Kontakte", die dort entstehen, sind eben auch speziell, weil zuallererst einmal auf den Arbeitsplatz bezogen, im besten Falle Kollegialverhältnisse. Das hat mit der Person um ihrer selbst willen jedoch gar nichts zu tun, sie ist dort nicht entscheidend (siehe auch hier). Genauso schnell verlieren sich diese Kontakte eben auch wieder, wenn der Arbeitsplatz gewechselt wurde (es sei denn, daraus wären einmal wirkliche Freundschaften entstanden). Im Grunde unterstellt Fischer, das BGE laufe doch auf eine Stilllegung hinaus, als könne man Bürger zu etwas verdammen in einer Demokratie.
Sascha Liebermann
14. Oktober 2019
"Arbeit, Lohn, Profit"
10. September 2019
"Wir übersehen die positiven Seiten der Arbeit" - oder überschätzen ihre Bedeutung...
"Herzog: Wir verstehen Arbeit ja meistens eher instrumentell: Ein bestimmter Job ist dafür da, dass bestimmte Dinge erledigt werden – etwa dass der Müll abgeholt wird oder Flure geputzt werden. Aber Arbeit hat immer auch damit zu tun, dass wir in ihr bestimmte Formen von Gemeinschaft erleben. Arbeit kann uns die Gelegenheit geben, gemeinsam mit anderen Widerstände zu überwinden und Dinge zu schaffen. In einer modernen Gesellschaft ist die Arbeit sehr stark geteilt. Die einzelnen Tätigkeiten greifen ineinander und bedingen einander. Wir arbeiten also immer mit der Hilfe anderer und für andere. Dieser soziale Aspekt der Arbeit ist in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig beleuchtet worden."
"Instrumentell" klingt hier negativ, dabei ist doch genau die Bewältigung der Aufgabe ein Positivum, ein Dienst wird damit bereitgestellt. Wer Arbeit darauf bezogen betrachtet, hat ihren Sinn erfasst, für andere etwas zu leisten. Ihr fehlt an dieser Betrachtung das Gemeinschaftliche, das zur Arbeit gehört. Wer aber bestreitet, dass dies durchaus als wichtig wahrgenommen wird, die arbeitsteilige Erledigung unerlässlich ist? Es gehört doch eher zu den Dauerthemen in Unterhaltungen über die Arbeitsverhältnisse, ob es gute Kollegen gibt oder nicht, wohlgemerkt: Kollegen und nicht Freunde. Weil es um Kollegialität geht und nicht um Beziehungen um der Personen selbst willen, wäre es auch unangemessen, von "Gemeinschaft" zu sprechen. Denn es zeichnet kollegiale Beziehungen gerade aus, dass sie auf eine gemeinsame Sache gerichtet sind, der der Einzelne dient. Es geht nicht um ihn, sondern nur um diese, die Sache. Moderne Arbeitsverhältnisse, das ist ihre Errungenschaft, haben keinen Anspruch mehr auf den Mitarbeiter über sein Mitarbeitersein hinaus, das war einst ein großer Fortschritt. Deswegen können sie Personen um ihrer selbst willen auch nicht integrieren, ihre Austauschbarkeit zeichnet diese Art von Arbeitsverhältnissen aus. Ganz anders ist das in den Sphären, in denen die Person um ihrer selbst willen, das Gemeinschaftliche um seiner selbst willen im Zentrum steht, in Familie, im Gemeinwesen, auch in sogenannten ehrenamtlichen Tätigkeiten. Sie folgen einer anderen Logik. Doch genau über sie spricht Herzog gar nicht.
Welche Gemeinschaft sucht Herzog dann, wenn sie davon schreibt, "Widerstände" könnten mir ihr überwunden werden? Das ist doch eine genuin politische Frage, ein Engagement als Bürger ist dafür nötig, auch wenn es darum geht, Arbeitsverhältnisse im Allgemeinen zu verändern, im Konkreten nur als Mitarbeiter.
Ein Aspekt ihrer Ausführungen trifft eine Borniertheit der Rede über Leistung und Arbeit - die Zurechnung. Eine Seite der modernen Seite von Selbstbestimmung und Individuierung ist das Missverständnis, diese Autonomie sei eine gemeinschaftslose, frei von all den Abhängigkeiten, die zum Leben gehören. Das ist aber eine Verkürzung, wie Herzog zurecht hervorhebt. Sie reicht aber weiter, als sie es darlegt. So ist schon die Entstehung von Leistungsbereitschaft Resultat eines Bildungsprozesses (Sozialisation), der sich durch nicht hintergehbare Abhängigkeit auszeichnet: Abhängigkeit von verlässlicher Zuwendung, Fürsorge, Hinwendung - in der Regel leisten das die Eltern (siehe unbezahlte Arbeit). Doch auch das taucht bei Herzog nicht auf. Sie ist ihr Plädoyer dafür, die "positiven Seiten der Arbeit" zu sehen, letztlich doch eine verklärende Überschätzung ihrer Bedeutung.
Siehe auch dieses Interview mit ihr.
Sascha Liebermann
26. März 2019
"Warum Arbeit dringend neu gedacht werden muss"...
7. März 2019
"Was ist eigentlich Arbeit?"
Was ist eigentlich Arbeit?“, möchte Prof. Dr. Sascha Liebermann von der Schülerschaft der Oberstufe wissen" Interessanter Artikel zum Bedingungslosen #Grundeinkommen, in dem viele Aspekte des Themas, auch die #Finanzierung, angesprochen werden. @netzbge https://t.co/BE7Z3Qo3IG— Susanne Wiest 🐝 (@susannewiest) 6. März 2019
25. Januar 2019
"...dass der Reichtum unseres Landes eher auf Leistungswillen basiert als auf schrankenloser Selbstverwirklichung..."
Sascha Liebermann
8. Januar 2019
"Arbeitsverweigerer sind nützlich für Arbeitnehmer"...
24. Dezember 2018
"Wie bewerten Sie Ihre Arbeit?"...
17. Dezember 2018
"Warum wir kein bedingungsloses Grundeinkommen brauchen"...
Sascha Liebermann
29. November 2018
Würde durch Arbeit?
"Arbeit ist Würde" keine Arbeit keine Würde, weißte bescheid. @Spdde— Light (@KommandoMensch) 26. November 2018
Siehe auch unsere Beiträge zu "Würde".
23. Oktober 2018
"Ich glaube, wir unterschätzen, welchen Wert Arbeit hat" oder die Stigmatisierung durch den Sozialstaat?
"Ebenfalls uneins mit dem Politiker waren sich zwei Fragesteller in Bezug auf das bedingungslose Grundeinkommen. "Ich glaube, wir unterschätzen, welchen Wert Arbeit hat", so Al-Wazir, der sich für eine Lösung im bestehenden Sozialsystem aussprach. Insbesondere die Aktivierung von Langzeitarbeitslosen funktioniere nicht und so dürfe es keine Sanktionen, sondern müsse es Angebote geben. "Wir müssen einen sozialen Arbeitsmarkt schaffen", betonte der Grünen-Spitzenkandidat. "Die Menschen vereinzeln und es fehlt ihnen an gesellschaftlichem Anschluss". Das bedingungslose Grundeinkommen ist dabei seiner Ansicht nach "keine Lösung"
Was hat der Wert von "Arbeit" mit einem BGE zu tun? Im Grunde nichts, weil ein BGE nicht "arbeitsfeindlich" ist, eher ist die Versessenheit auf Erwerbsarbeit, die wir heute betreiben, leistungsfeindlich. Denn sie unterstellt, dass Wertschöpfung an menschliche Arbeitskraft gebunden ist und übersieht den Stellenwert von Maschinen.
Warum "funktioniert" denn die "Aktivierung von Langzeitarbeitslosen" - diese sozialtechnologische Sprache ist schon bezeichnend - nicht? Weil sie womöglich vom falschen Ziel ausgeht, der Rückführung in Erwerbstätigkeit? Weil sie nicht wahrhaben will, welchen Druck "aktivierende Sozialpolitik" erzeugt? Wie sehr muss man über die Sozialmechanik des heutigen Sozialstaates hinwegsehen, um das zu übersehen?
"Angebote" sind heutzutage sanktionsbewehrte Androhungen - weiß Al-Wazir das nicht? Hat er sich schon einmal die Einladung zum Beratungsgespräch genauer angesehen oder sie Sanktionsmöglichkeiten im Zweiten Sozialgesetzbuch (ALG II)? Wer davon nicht reden will, sollte über "Aktivierung" mit ihren stigmatisierenden Auswirkungen schweigen.
Der "soziale Arbeitsmarkt" ist das Wiederaufgreifen alter Maßnahmen, die aus der Stigmatisierung ebenso wenig herausführen wie die "Aktivierung". Und die Vereinzelung - ist sie nicht ein Resultat dessen, durch stigmatisierende Leistungen an den Rand gedrängt zu werden? Keine guten Aussichten bei den Grünen, wenn das eine verbreitete Grundhaltung sein sollte.
Sascha Liebermann
20. Juli 2018
"Der Arbeitgeber wird zum Gott"...
"In dieser Finanzblase habe ich ganz grundlegende normale Lebensfähigkeiten verloren. Die Fetischisierung der Arbeit ist, denke ich, ein gesamtgesellschaftliches Problem: wir sind unfähig zum Müßiggang. Heute bezeichne ich mich als Privatier; das Geld, das ich heute besitze, bedeutet für mich Freiheit. Schon Dostojewski sagte „Geld ist geprägte Freiheit“, wir begreifen es aber eher als Käfig! Ich bin deswegen ein großer Anhänger des bedingungslosen Grundeinkommens. Nur wer nicht im Hamsterrad dreht, kann anfangen, Sinnvolles zu tun."
Die Fetischisierung von Erwerbsarbeit, sie hat er wohl im Auge, ist allerorten zu greifen, wenn wie selbstverständlich andere Leistungsformen übersehen ("unbezahlte Arbeit") werden. Dass Muße gerade Quelle der Entstehung von Neuem ist, dass sie notwendig ist, um eingefahrene Wege verlassen zu können, wird - wir Voss zurecht beklagt - nicht gesehen.
Sascha Liebermann