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1. Mai 2026

„Did Sam Altman’s Basic Income Experiment Succeed or Fail?“…

...diese Frage scheint angesichts eines Beitrags auf businessinsider über Sam Altmans heutige Haltung zum Bedingungslosen Grundeinkommen wieder interessant zu werden. Altman halte ein BGE bzw. ein universelles Grundeinkommen nicht mehr für ausreichend und wird folgendermaßen zitiert:

"'Mich interessieren viel stärker Ansätze, bei denen wir über kollektives Eigentum nachdenken – sei es an Rechenleistung, an Unternehmensanteilen oder an etwas anderem', sagte er."

Das widerspricht allerdings einem BGE nicht und könnte ergänzend interessant sein, je nach dem, worum es genau geht. Altman wird weiter so zitiert:

"Darin wird ein sogenannter Public Wealth Fund beschrieben, der 'jedem Bürger – auch jenen ohne Zugang zu Finanzmärkten – einen Anteil am durch KI getriebenen Wirtschaftswachstum' verschaffen soll."

Gut, was genau ist damit gemeint? Ein BGE soll eine dauerhafte Einkommensabsicherung über die Lebensspanne bereitstellen, das steht zum Anteil am Wirtschaftswachstum nicht im Widerspruch. Vielmehr könnte letzteres eine spezifische Ausgestaltung eines BGE sein, solange es entsprechenden Kriterien genügt: 1) dem Individuum zuzukommen, 2) über die Lebensspanne bereitzustehen, 3) mit anderen Einkommen nicht verrechnet zu werden - es geht also um einen Auszahlungsbetrag vor Steuern, 4) keine Verpflichtung zu Erwerbstätgkeit oder anderen zu enthalten. Altman könnte hier auch zwei Dinge verwechseln, den systematischen Charakter eines BGE und die Art seiner Finanzierung, das sind zwei verschiedene Dinge, wie man an der häufigen Verwechslung eines BGE mit einer Negativen Einkommensteuer beobachten kann.

Weiter heißt es im Beitrag:

"'Ich denke, was Menschen wirklich wollen, ist Wohlstand, Handlungsfähigkeit, ein interessantes Leben und das Gefühl, etwas bewirken zu können', sagte er. Am Ende gehe es darum, KI so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen."

Altman scheint hier also auch für KI Werbung machen zu wollen, das spricht allerdings nicht gegen ein BGE. Man merkt hieran allerdings, wie sehr manche Befürwortung eines BGE damit zusammenhängt, dass es aus bestimmten Gründen für sinnvoll gehalten wird, ohne grundlegend darüber nachzudenken. Weder benötigt ein BGE zu seiner Begründung Umbrüche am Arbeitsmarkt, wie sie seit Jahren immer wieder vorausgesagt werden, noch ist es ein Reparaturmittel für fehlgeschlagene Sozialpolitik. Eine demgegenüber eigenständige und von spezifischen Veränderungen unabhängige Begründung hat es, wenn es aus der politischen Ordnung der republikanischen Demokratie hergeleitet wird (siehe hier und hier). Genau diese Herleitung wird bedauerlicherweise selten bemüht, sieht man einmal von Beiträgen des im vergangenen Jahr verstorbenen Claus Offe oder Carol Pateman (siehe auch hier) ab, die schon vor etlichen Jahren so argumentiert haben.

Das von Altman initiierte Feldexperiment, auf das im Beitrag verwiesen wird, war kein Test zu den Auswirkungen eines BGE. Es ging um ein "guaranteed income", richtete sich nicht an alle Angehörigen eines Gemeinwesens und war nicht über die Lebensspanne verfügbar. Damit erfüllte es entscheidende Kriterien eines BGE nicht und die Ergebnisse der Studie (weitere Veröffentlichungen dazu auf der Seite des National Bureau of Statistics) wurden verkürzt ausgelegt. Scott Santens und Guy Standing (hier eine deutsche Übersetzung durch Eric Manneschmidt) hatten sich den Ergebnissen ausführlich gewidmet und auf methodische wie konzeptionelle Fallstricke hingewiesen. Open Research hat auf seiner Website eine eigene Seite zum Projekt.

Zu grundsätzlichen methodischen Beschränkungen von Feldexperimenten bzw. Pilotprojekten, die notorisch überschätzt werden, siehe hier und hier.

Sascha Liebermann

23. August 2025

"Normal gestrickte Menschen"...

...sind das Risiko schlechthin der Demokratie. So könnte man den Kommentar Markus Städelis in der Neue Zürcher Zeitung zusammenfassen, der dort den Vorschlag Sam Altmans und Elon Musks kommentiert, die im Bedingungslosen Grundeinkommen ein Mittel sehen, um den Folgen der KI-Nutzung, die ihrer Auffassung nach hohe Arbeitslosigkeit mit sich bringen werde, begegnen zu können. Ein BGE erlaube, so Städeli, ohne Existenzängste Möglichkeiten zu ergreifen, die dem Einzelnen gemäß seien.

Nicht ganz geheuer ist ihm dieser Vorschlag, weil er von zwei Unternehmern kommt, die doch selbst für diese Folgen verantwortlich seien, was ganz danach klingt, als sollte eine solche Entwicklung vermieden werden, wenn denn die KI tatsächlich diese Folgen hätte. Doch warum? Wenn nun KI zur Substituierung menschlicher Arbeitskraft in der Breite führen würde, weil sie Routinetätigkeiten zuverlässiger erledigen könnte, gewönne doch der Einzelne Zeit für das zurück, was die KI eben nicht kann. Wo ist das Problem?

Tja, das Problem ist die Grundverfasstheit des Menschen, so hat man den Eindruck, denn:

"Falls KI wirklich Massenarbeitslosigkeit verursachen sollte, sind gesellschaftliche Probleme programmiert: Arbeit ist ja nicht bloss eine Quelle des Einkommens, sondern auch ein wichtiger Teil der sozialen Identität und des Zusammenhalts. Der Wegfall einer Tagesstruktur würde zu mehr Alkohol- und Drogenkonsum sowie zur gesellschaftlichen Isolation führen."

Dahin ist die Vorstellung vom zur Selbstbestimmung fähigen Menschen, der für solche Veränderungen auch angemessene Antworten finden könnte. Obwohl Städeli selbst Ansatzpunkte dafür erkennen lässt, weshalb seine Behauptung fragwürdig erscheint, sieht er diese nicht. Zweifelsohne hat Erwerbstätigkeit heute einen hohen Stellenwert, aber doch nicht, weil der Einzelne ihr diesen verleiht, sondern weil er ihr gemeinschaftlich verliehen wird, man schaue sich nur die Systeme sozialer Sicherung an. Wenn also diese kollektiv vorherrschende Deutung aufgegeben würde, bräche der normative Vorrang von Erwerbstätigkeit zusammen, nicht aber das Leben als solches. Städeli sagt ja selbst, dass sie nur "ein wichtiger Teil" sei, nicht aber der alleinig wichtige. Dann folgt sogleich das Untergangsszenario ganz im Sinne von Brot und Spiele: der Absturz in Alkohol- und Drogenkonsum. Das führt einen direkt zur Forderung nach der Abschaffung der Rente, denn sie müsste ja das Vorspiel im Kleinen zu diesem Untergang sein. Scheint nicht so ganz zu stimmen mit der Behauptung, ja, weshalb nur?

Darüber hinaus droht Ungemach von anderer Seite: die Fleißigen und die Faulen werden sich als Feinde gegenüberstehen, weil ein BGE ja ungerecht sei. Moment, aber erhalten es nicht beide Gruppen? Wollte der Autor denn etwa dafür plädieren, lieber auf Rationalisierungs- und Automatisierungsvorteile zu verzichten, um Arbeitsplätze zu erhalten, damit "der Mensch" - wie es heute so gerne heißt - eine Aufgabe hat? Solchen Paternalismus aus der NZZ zu vernehmen, die sich stets um Eigenverantwortung Sorgen macht, ist wirklich unerhört.

Städeli aber ist vorbereitet, argumentativ, denn:

"Normal gestrickte Menschen komponieren nicht plötzlich den ganzen Tag Musik und verschreiben sich auch nicht der Nachbarschaftshilfe, wenn man ihnen einen monatlichen Check ausstellt. Sie bleiben morgens einfach im Bett liegen."

Ach so, sie sind zu dieser sagenumwobenden Eigenverantwortung gar nicht in der Lage, und zwar nicht nur Einzelne, ja insbesondere die "normal gestrickten Menschen", während die Kreativen eine herausgehobene Größe darstellen sozusagen die Krönung des Menschseins. Bass erstaunt kann man sein, dass Städeli diese Herablassung der sonst sich so nah am Menschen fühlenden und für ihn sprechenden NZZ nicht bemerkt oder eben für ganz angemessen hält. Sollte letzteres der Fall sein, wäre das Plädoyer für die NZZ-artige Eigenverantwortung hoffnungslos idealistisch. Wie ist dann nur die direkte Demokratie in der Schweiz mit guten Gründen vertretbar, stellt sie angesichts solchen Verständnisses des Menschseins nicht die Bedrohung für Wohlstand und Ordnung schlechthin dar? Die Schweizer demnach ein Volk von Träumern?

"Eine kleine Zahl von Menschen wird aktiv, lernfähig und erfolgreich bleiben, während eine wachsende Zahl von Menschen in Passivität gelähmt sein wird."

Zitiert Städeli nur Musk oder spricht Musk Städeli aus der Seele? Vielleicht sind sie doch Brüder im Geiste.

Sascha Liebermann

26. August 2024

"Did Sam Altman's Basic Income Experiment Succeed or Fail?"..

...ein Kommentar von Scott Santens zu jüngst veröffentlichten Ergebnissen einer Studie, die medial wieder zum Abgesang auf das Grundeinkommen genutzt wurden, statt sie einer differenzierten Betrachtung zu unterziehen. 

Feldexperimente bzw. Pilotprojekte werden notorisch überschätzt, siehe hier und hier.

Sascha Liebermann

19. Dezember 2017

"American Equity"...

...und ein weiterer Einblick in die US-Debatte via  Sam Altman.

4. August 2017

Business Insider über Sam Altman...

..., der sich für ein "bedingungsloses Grundeinkommen" bzw. ein "garantiertes Einkommen" interessiert und dazu ein Projekt unterstützt. Hier der Beitrag in Business Insider und frühere Äußerungen zum Grundeinkommen. Hier Ausführungen auf der Website von Y-Combinator zum Grundeinkommen.