...darüber berichtet die Luzerner Zeitung.
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25. September 2019
25. Juli 2018
"Die Schweiz braucht das bedingungslose Grundeinkommen aber gar nicht"...
...meinte Richard David Precht in einem Interview mit der Luzerner Zeitung. Für Überraschungen ist der viel gefragte Autor immer wieder gut. Wie kommt er denn nun zu dieser Schlußfolgerung? Schauen wir, was die Passage im Interview anbietet:
"LZ:In der Schweiz wurde vor zwei Jahren über das Grundeinkommen abgestimmt. Zwar wurde es klar abgelehnt, dennoch wird rege diskutiert, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen in Zeiten digitaler Produktivitätssteigerung das Modell der Zukunft ist.
RDP: Ich habe mich damals sehr gefreut, dass die Schweiz dieses Thema aufs politische Parkett gebracht hat. Und dass sich immerhin 20 Prozent der Bevölkerung dafür ausgesprochen haben. Die Schweiz braucht das bedingungslose Grundeinkommen aber gar nicht. Es gibt andere Länder wie die USA oder Frankreich, wo ich mir mittelfristig gar nicht vorstellen kann, wie es dort ohne ein bedingungsloses Grundeinkommen weitergehen soll. Kommt es nicht, sehe ich Massenverelendung, soziale Tumulte und Unruhen auf diese Staaten zukommen. Die Digitalisierung bietet hier sogar die Chance, den Sozialstaat komplett umzubauen. Und zwar zum Besseren. Dafür braucht es jedoch entsprechende Konzepte."
Und? Wo ist nun die Herleitung für seine Äußerung? Offenbar hat er sie einfach so dahingeworfen. Woran bestimmt sich, ob ein Land das BGE braucht? Precht, wie in der zitierten Passage zu erkennen, scheint das BGE vor allem als Mittel gegen "Massenverelendung" zu betrachten, das dann zur Pazifierung dient. Die Länder, die nicht unmittelbar vor diesem Problem stehen, brauchen ein BGE folglich nicht. Eine solch kurzsichtige Argumentation kann einen nur erstaunen und passt in vielerlei Hinsicht nicht zu dem, was Precht sonst schon dazu geäußert hat. Ist Precht überhaupt überzeugt vom BGE? Wie erklärt man solche Widersprüch bzw. Ungereimtheiten? Sind sie Resultat der kulturindustriellen Dauervermarktung?
Thomas Straubhaar argumentierte schon einmal ähnlich bezüglich der Frage, ob die Schweiz das BGE denn überhaupt brauche, siehe hier und hier.
Sascha Liebermann
"LZ:In der Schweiz wurde vor zwei Jahren über das Grundeinkommen abgestimmt. Zwar wurde es klar abgelehnt, dennoch wird rege diskutiert, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen in Zeiten digitaler Produktivitätssteigerung das Modell der Zukunft ist.
RDP: Ich habe mich damals sehr gefreut, dass die Schweiz dieses Thema aufs politische Parkett gebracht hat. Und dass sich immerhin 20 Prozent der Bevölkerung dafür ausgesprochen haben. Die Schweiz braucht das bedingungslose Grundeinkommen aber gar nicht. Es gibt andere Länder wie die USA oder Frankreich, wo ich mir mittelfristig gar nicht vorstellen kann, wie es dort ohne ein bedingungsloses Grundeinkommen weitergehen soll. Kommt es nicht, sehe ich Massenverelendung, soziale Tumulte und Unruhen auf diese Staaten zukommen. Die Digitalisierung bietet hier sogar die Chance, den Sozialstaat komplett umzubauen. Und zwar zum Besseren. Dafür braucht es jedoch entsprechende Konzepte."
Und? Wo ist nun die Herleitung für seine Äußerung? Offenbar hat er sie einfach so dahingeworfen. Woran bestimmt sich, ob ein Land das BGE braucht? Precht, wie in der zitierten Passage zu erkennen, scheint das BGE vor allem als Mittel gegen "Massenverelendung" zu betrachten, das dann zur Pazifierung dient. Die Länder, die nicht unmittelbar vor diesem Problem stehen, brauchen ein BGE folglich nicht. Eine solch kurzsichtige Argumentation kann einen nur erstaunen und passt in vielerlei Hinsicht nicht zu dem, was Precht sonst schon dazu geäußert hat. Ist Precht überhaupt überzeugt vom BGE? Wie erklärt man solche Widersprüch bzw. Ungereimtheiten? Sind sie Resultat der kulturindustriellen Dauervermarktung?
Thomas Straubhaar argumentierte schon einmal ähnlich bezüglich der Frage, ob die Schweiz das BGE denn überhaupt brauche, siehe hier und hier.
Sascha Liebermann
8. Juni 2018
"Wer heute vor dem Fernseher sitzt, wird vermutlich noch länger vor dem Fernseher sitzen"...
...so der Schweizer Schriftsteller Jonas Lüscher in einem Interview mit der Luzerner Zeitung. Es ist die einzige Passage, in der es um das BGE geht. Was hat er darüber hinaus gesagt?
Luzerner Zeitung: "Mal angenommen, wir hätten dank einem Modell wie dem bedingungslosen Grundeinkommen bald einen Haufen Menschen ohne existenzielle Probleme: Was werden die dann tun?"
Lüscher: "Wer heute viel vor dem Fernseher sitzt, wird vermutlich noch länger vor dem Fernseher sitzen. Es ist eine etwas romantische Vorstellung, das sich plötzlich alle dem Verfassen von Gedichten oder der Ölmalerei widmen werden. Die Schulausbildung, die wir geniessen, zielt nicht gerade darauf ab, einen darauf vorzubereiten, ein Leben selber zu gestalten. Man wird auf den Arbeitsmarkt vorbereitet, um dort Erfüllung zu finden. Wenn das mit dem bedingungslosen Grundeinkommen kein neoliberaler Albtraum werden soll, muss das mit einem kompletten Wandel unseres Ausbildungssystems einhergehen".
Sicher gibt es romantisierend verklärende Vorstellungen davon, was ein Bedingungsloses Grundeinkommen alles leisten würde - Lüscher spitzt das entsprechend zu. Aber das ist doch nur die eine Seite der Debatte, nicht einmal die vorherrschende. Den Realismus des BGE sollte man nicht unterschätzen. Warum sitzt jemand viel vor dem Fernseher? Was hat es mit den Lebenserfahrungen unter bestimmten Lebensbedingungen zu tun? Was würde ein BGE daran ändern? Würde es nicht gerade die stigmatisierenden Effekte aufheben, die heutige Alimentierungssysteme auszeichnen, würdes es also eher ermutigen als an den Rand drängen? Zumindest sollte die Frage doch gestellt werden, statt leichtfertig eine eindimensionale Diagnose abzuliefern. Die Diagnose dann direkt mit dem Schulsystem zu verknüpfen, ist ziemlich vereinfachend, die Eigensinnigkeit des Lebens jenseits des Bildungswesens wird dabei vergessen. Es ist doch das Leben, das auf das Leben vorbereitet, die Schule macht davon nur einen kleinen Teil aus, von daher bietet das heutige Leben schon allerhand Anknüpfungsmöglichkeiten für das BGE, der Arbeitsmarkt ist nur eine Facette der Gegenwart, wenn auch eine besonders herausgehobene.
Sascha Liebermann
Luzerner Zeitung: "Mal angenommen, wir hätten dank einem Modell wie dem bedingungslosen Grundeinkommen bald einen Haufen Menschen ohne existenzielle Probleme: Was werden die dann tun?"
Lüscher: "Wer heute viel vor dem Fernseher sitzt, wird vermutlich noch länger vor dem Fernseher sitzen. Es ist eine etwas romantische Vorstellung, das sich plötzlich alle dem Verfassen von Gedichten oder der Ölmalerei widmen werden. Die Schulausbildung, die wir geniessen, zielt nicht gerade darauf ab, einen darauf vorzubereiten, ein Leben selber zu gestalten. Man wird auf den Arbeitsmarkt vorbereitet, um dort Erfüllung zu finden. Wenn das mit dem bedingungslosen Grundeinkommen kein neoliberaler Albtraum werden soll, muss das mit einem kompletten Wandel unseres Ausbildungssystems einhergehen".
Sicher gibt es romantisierend verklärende Vorstellungen davon, was ein Bedingungsloses Grundeinkommen alles leisten würde - Lüscher spitzt das entsprechend zu. Aber das ist doch nur die eine Seite der Debatte, nicht einmal die vorherrschende. Den Realismus des BGE sollte man nicht unterschätzen. Warum sitzt jemand viel vor dem Fernseher? Was hat es mit den Lebenserfahrungen unter bestimmten Lebensbedingungen zu tun? Was würde ein BGE daran ändern? Würde es nicht gerade die stigmatisierenden Effekte aufheben, die heutige Alimentierungssysteme auszeichnen, würdes es also eher ermutigen als an den Rand drängen? Zumindest sollte die Frage doch gestellt werden, statt leichtfertig eine eindimensionale Diagnose abzuliefern. Die Diagnose dann direkt mit dem Schulsystem zu verknüpfen, ist ziemlich vereinfachend, die Eigensinnigkeit des Lebens jenseits des Bildungswesens wird dabei vergessen. Es ist doch das Leben, das auf das Leben vorbereitet, die Schule macht davon nur einen kleinen Teil aus, von daher bietet das heutige Leben schon allerhand Anknüpfungsmöglichkeiten für das BGE, der Arbeitsmarkt ist nur eine Facette der Gegenwart, wenn auch eine besonders herausgehobene.
Sascha Liebermann
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