Posts mit dem Label Forschung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Forschung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

1. November 2022

Nicht als Gegenentwurf, aber als Alternative,...

...denn der Wissenschaftsbetrieb folgt nicht der Sache um ihrer selbst willen, was seine Aufgabe wäre und wofür er alimentiert wird, sondern ihm werden etliche sachfremde Ziele nicht nur übergestülpt, sie werden auch von innen, durch die dort Verantwortlichen errichtet. Ein BGE böte zumindest die Möglichkeit, von diesem Betrieb nicht abhängig zu sein.

Sascha Liebermann 

9. Oktober 2022

Wissenschaft ohne "Betrieb", aber mit Bedingungslosem Grundeinkommen

Ohne die genauere Situation zu kennen, auf die Hedwig Richter hier Bezug nimmt - es kann in der Tat möglich sein, dass sich jemand bewusst für eine halbe Stelle entscheidet, obwohl das bei den erwähnten Zielen ziemlich ambitioniert bis unrealistisch erscheint - erkennt man an solchen Konstellationen gut, welche Folgen es hat, auf den Wissenschafts-"Betrieb" angewiesen zu sein, um nicht nur forschen, sondern darüber auch ein Einkommen erzielen zu können. Abgesehen von der Diskussion um den hohen Anteil befristeter Stellen im deutschen Wissenschaftssystem stellt sich die Frage, wie es denn möglich sein könnte, zu forschen, ohne auf eine solche Stelle angewiesen zu sein. Auch da spielt, zumindest für die Frage der Einkommenssicherung, ein Bedingungsloses Grundeinkommen eine große Rolle (siehe hier).

Sascha Liebermann

8. Juli 2022

Wiederauflage: Wissenschaft und Bedingungsloses Grundeinkommen

Siehe frühere Beiträge dazu hier

2. September 2021

11. Juni 2021

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen böte immerhin eine Alternative,...

...auch wenn das alleine nicht ausreichte, um forschen und lehren zu können. Siehe unsere früheren Beiträge hier

4. Januar 2021

"Exzellenzinitiative", Drittmitteleinwerbung und die Lage junger Wissenschaftler, ...

...wieviel Entlastung brächte hier ein Bedingungsloses Grundeinkommen, wenn auf seiner Basis  Forschung möglich und der Zugang zu Infrastruktur wie Bibliotheken, elektronischen Zeitschriften und etwaiger "freier" institutioneller Anbindung gegeben wären, ohne auf das Erwerbseinkommen angewiesen zu sein? Siehe auch "Kunst und Wissenschaft und das bedingungslose Grundeinkommen".

Allerdings muss hier auch gefragt werden, weshalb sich verbeamtete Professoren auf Lebenszeitstellen in nennenswerter Zahl denn nicht gegen diese Entwicklung gestemmt haben? Wer eine solche Stelle innehat, muss nicht am Drittmittelzirkus teilnehmen - was ja nicht heißt, dass es nicht sinnvoll sein kann, hier und da Drittmittel einzuwerben. Auch wenn gesetzliche Regelungen den Missstand befördern (siehe das Wissenschaftszeitvertragsgesetz), so erklären sie keineswegs die Praxis, befristete Verträge mit kurzen Laufzeiten den in der Qualifizierungsphase befindlichen Kollegen anzubieten, um sie kurz zu halten. Hier müssen sich die Entscheider in den Universitäten als erstes selbst fragen, was sie anders machen könnten. Das galt schon für die sogenannten Bologna-Reformen, die weitgehend durchgewunken wurden in der Hoffnung, dass alles nicht so schlimm komme oder sie zu einer technokratischen Erneuerung führen könne. Hätten die Fakultäten, Fachbereiche und Institute hier nicht mitgewirkt und manche Fussfessel selbst angelegt, wäre es womöglich gar nicht zu den weitreichenden Veränderungen durch die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen gekommen, deren Folgen dann wieder beklagt werden (siehe hierzu: 

"Zum Selbstverständnis der Soziologie als Wissenschaft"

"Technokratisierung durch Selbstentmachtung: Anmerkungen zum Versagen der wissenschaftlichen Profession und eine alternative Antwort auf die Probleme der Hochschule heute"

"Unterstützung durch Überanpassung. Wer trägt die Verantwortung für fehlgeschlagene Hochschulreformen?"

"Autonomie und Verantwortung im Studium. Zur Diskussion über Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen und ihre Aufhebung".

Sascha Liebermann 

7. Juni 2018

Ist unvoreingenommene Forschung möglich, wenn man zugleich von etwas praktisch überzeugt ist?

Sinngemäß stellt der Schweizer TagesAnzeiger diese Frage Jens Martignoni am Ende eines Interviews über das Grundeinkommensprojekt in Rheinau (Schweiz). Mir ist diese Frage schon öfter gestellt worden, weshalb ich sie hier aufgreife, um dazu Stellung zu beziehen.

Wer mit wissenschaftlichem Arbeiten vertraut ist und die Eigenheiten von Forschung kennt, wird die Frage des TagesAnzeigers für überraschend und banal halten. Methodisch disziplinierte Forschung auf der einen und Befürwortung eines praktischen Vorhabens aus Überzeugung auf der anderen Seite sind zwei Paar Schuhe. Für eine der Überprüfbarkeit (Falsifikation) verpflichtete, methodisch diszipliniert arbeitende Wissenschaft ist es entscheidend, auf der Basis verfügbarer Daten (ganz gleich welchen Typs) zu Schlussfolgerungen zu gelangen. Daten benötigt es, damit nachvollzogen und geprüft werden kann, wie zu Schlussfolgerungen gelangt wurde. Zugleich ist damit deutlich gemacht, dass methodisch disziplinierte Schlussfolgerungen sich immer nur auf Zusammenhänge in der Vergangenheit richten können, denn nur darüber können Daten Auskunft geben. Jeder Blick nach vorne, in die Zukunft, ist damit nicht mehr methodisch diszipliniert möglich, das lässt sich sehr gut an Schätzverfahren ablesen, die für Prognosen genutzt werden, um auf der Basis von gesetzten Annahmen (bestenfalls aus der Vergangenheit rekonstruiert), Aussagen über etwaige Veränderungsmöglichkeiten in der Zukunft zu treffen. Allerdings: Handlungsfolgen für die Zukunft zu bestimmen, ohne dass die Zukunft schon etwas hervorgebracht haben kann, das als Datum eine Erforschung erlaubt, ist keine strenge Wissenschaft mehr.

Es reicht indes nicht aus, Daten zu nutzen, es muss auch transparent sein, wie diese Daten gewonnen wurden. Datentypen müssen eigens bestimmt werden, um sagen zu können, was sich aus ihnen schließen lässt und was nicht. Als nächstes müssen die Auswertungswege, also Verfahren, klar ersichtlich sein, weil nur so Schlussfolgerungen nachprüfbar sind.

Wer also eine Studie und ihre Ergebnisse beurteilen können will, muss sich letztlich die Mühe machen, Datenerhebung, Datenqualität und Datenauswertung nachzuvollziehen. Diese drei Aspekte betreffend herrscht die größte Leichtfertigkeit in der öffentlichen Diskussion, auch die wissenschaftlichen Disziplinen sind davon nicht frei, weil nicht selten erstaunlich unreflektiert mit Datentypen und Schlussfolgerungen umgegangen wird.

Diese hier kurz skizzierten grundlegenden Zusammenhänge gelten für alle Datentypen und Verfahren in den Sozialwissenschaften, ganz gleich, ob es sich um die stärker verbreitete Forschung mit standardisierten Daten und Auswertungsverfahren (sogenannte "quantitative" Forschung/ Statistik) oder aber um Forschung auf der Basis nicht-standardisierter Daten (sogenannte, aber nicht klar abgegrenzte, "qualitative" Forschung) handelt.

Nun kommt der Fall nicht so selten vor, dass entweder Datenlage, die Datenqualität oder die Auswertungsverfahren unbefriedigend sind, das lässt sich dann an der entsprechenden Studie leicht aufzeigen (ein besonders fahrlässiger Fall hier). Es gibt jedoch auch verschiedene methodische Traditionen in den Sozialwissenschaften, zwischen denen teils ideologische Abgrenzungsverhältnisse herrschen, so dass die eine der anderen vorwirft, nicht wissenschaftlich zu sein bzw. keine allgemeinen Aussagen aufgrund einer geringen Fallzahl treffen zu können. "Harte Forschung", so heißt es dann, sei nur auf der Basis von Massendaten (also großen Datenmengen) oder mathematisch abgestützt (Schätzverfahren, Statistik) möglich. Das führt nun aber direkt in die Methodologie- und Methodendiskussion, die ich hier nicht weiter darlegen will (grundsätzliche Überlegungen dazu finden Sie hier und hier).

Für die Aussagekraft von Forschungsergebnissen spielt es folglich überhaupt keine Rolle, welche praktischen Überzeugungen jemand hat, denn seine Forschung muss an der Durchführung beurteilt werden. Ist an ihr zu erkennen, dass sie ohne Vorbehalte und ohne Voreingenommenheit erfolgt ist oder nicht - das ist entscheidend. Würden Überzeugungen so etwas verunmöglichen, könnte es gar keine Forschung geben, die den oben skizzierten Maßstäben genügt, denn Überzeugungen hat jeder, das gehört zum Menschsein dazu. Nicht selten ist es sogar so, dass dort, wo ein Nüchternheitspathos gepflegt und absolute Neutralität behauptet wird, die stärksten Werturteile in die Forschung hineingeragt haben. Das wusste schon Max Weber in seinem berühmten Vortrag über "Wissenschaft als Beruf", dessen Ausführungen an Bedeutung nichts eingebüßt haben.

Sascha Liebermann

16. April 2018

"Wie sinnvoll sind Sanktionen?"...

...ein Beitrag auf tagesschau.de von Dominik Lauck. Siehe unsere Beiträge zu Sanktionen im Sozialgesetzbuch. Forschungsergebnisse über Auswirkungen von Sanktionen finden Sie hier.






6. März 2018

"Wie mit Quellen umgehen? Oder: ich suche mir heraus, was mir gefällt"...

...so habe ich einen Leserbrief übertitelt, mit dem ich auf einen Beitag von Johannes Mosmann zum Bedingungslosen Grundeinkommen ("Das Grundeinkommen kommt mit seinen Fragen") reagiert habe, der in die Drei veröffentlicht wurde. Es ist der zweite Teil seiner Auseinandersetzung mit dem BGE, den ersten finden Sie hier sowie Leserbriefe dazu hier.

Mosmann zitiert an einer Stelle aus einem Interview mit, das Alice Grinda vor vielen Jahren mit mir geführt und für ein Video verarbeitet hatte.



Mosmann kritisierte eine Äußerung, die durch die Verarbeitung im Video aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Wer sich den ganzen Clip ansieht, kann noch erschließen, was der Zusammenhang gewesen sein muss, die Fragen von Alice Grinda sind nur durch die Antworten zu erahnen. Die Interviews mit Passanten zu ihrem Verständnis von Arbeit sind nach wie vor interessant und hochaktuell.

Der Zeitschrift habe ich einen Leserbrief geschickt, um auf diesen eigenartigen Umgang mit Quellen hinzuweisen, hier ist er im Wortlaut:

„Wie mit Quellen umgehen? Oder: ich suche mir heraus, was mir gefällt

In seinem Beitrag „Das Grundeinkommen kommt mit seinen Fragen" (Ausgabe 3/18) bezieht sich Johannes Mosmann auf eine Überlegung, die ich in einem Interview vor etlichen Jahren geäußert habe. Das Interview wurde, wie unschwer an der von Mosmann angegebenen Quelle zu erkennen, in einem Stück geführt und dann für den Videoclip in einzelne Passagen zerlegt. Schaut man sich die verschiedenen Passagen des Videos an, die der von Mosmann zitierten Stelle vorangehen, wird deutlich, worauf ich mich bezog. In dem Videoclip werden Interviews mit Passanten gezeigt, die sich zu ihrem Verständnis von Arbeit - meist in dem engen Sinne von Erwerbsarbeit - äußern. Die meisten stellen dabei direkt einen Bezug zur Einkommenserzielung her, zum „Geldverdienen“, manche heben heraus, dass es ihnen um den Sinn von Arbeit gehe, um Kontakte zu knüpfen und anderes mehr. Nun wirft Mosmann mir in seinem Beitrag Weltfremdheit vor, weil ich angeblich das Steueraufkommen, das „Abgeleitete“, "für die Sache selber" halte. Im Interview äußere ich mich zur erklärungsbedürftigen, aber häufig anzutreffenden Diskrepanz zwischen Wirklichkeit und Wirklichkeitsdeutung, unterscheide die Sinnerfüllung im Handeln von der Deutung dieser Sinnerfüllung. Die „Krücke“, Arbeit als Beitrag zum Steueraufkommen zu deuten, ziehe ich dort heran, um deutlich zu machen, wie jemand, der keine für ihn erfüllende Tätigkeit ausübt, sie dennoch adeln kann, weil er, solange es um Erwerbstätigkeit geht, sich der Wertschätzung durch das Gemeinwesen sicher sein kann. Es geht nicht darum, dass sich Arbeit darin erschöpfe oder dass dies der Sache nach entscheidend wäre für den Arbeitsprozess, sehr wohl aber für seine Wertschätzung angesichts des heutigen Verständnisses von Arbeit. Dem hält Mosmann dann im Rückgriff auf Steiner das richtige Verständnis entgegen, welches den Wert von Arbeit im Bereitstellen von Konsum für andere sehe. Darum ging es in dem Interview allerdings gar nicht und war auch nicht der Punkt, auf den ich damals offenbar hinauswollte. Auffallend an denen im Video wiedergebenen Interviews ist eben gerade, dass kaum einer der Befragten die von Mosmann herausgehobene Seite anspricht, sehr wohl aber die andere der Einkommenserzielung, als arbeitete jemand nur für sich selbst. Das Missverständnis ist in meinen Augen Resultat der Voraussetzung, die Mosmann macht, er geht von dem in seinen Augen richtigen Begriff von Arbeit aus und hört gar nicht auf das, was in den Interviews gesagt wird. Darauf aber bezog ich mich, wie unschwer zu erkennen ist, wenn alle Passagen angeschaut werden. Die mir vorgeworfene Weltfremdheit ist also eine wirkliche, eine der Wirklichkeit selbst, wenn man so will. Man kann nun den Menschen attestieren, wie sehr sie daneben liegen und beseitigt damit eine Wirklichkeit. Das wäre ein sonderbares Verständnis von Forschung, nicht haben zu wollen, was in der Welt ist. Angesicht des zerlegten Interviews, das dem Betrachter abverlangt, den Zusammenhang der Äußerungen zu erschließen, hätte sich für eine Auseinandersetzung eine geeignetere Quelle angeboten, vielleicht eine meiner zahlreichen Veröffentlichungen. Aber dann wäre der fulminante Vorwurf womöglich nicht aufrecht zu erhalten gewesen."

Sascha Liebermann

30. September 2014

Die Bedeutung öffentlicher Infrastruktur und Forschungsförderung für die Wirtschaft...

...griff ein Beitrag in der Süddeutschen Zeitung auf, der am Beispiel von Apple zeigt, wie sehr Produktinnovationen, die privatwirtschaftlich vermarktet werden, von öffentlicher Förderung leben. Vor Augen führt dieses Beispiel, wie unsinnig das Bemühen ist, beides voneinander zu isolieren, wie es oft geschieht. Für die Diskussion um ein Bedingungsloses Grundeinkommen und die Frage danach, mit welcher Berechtigung das Gemeinwesen von der erzielten Wertschöpfung einen Teil für sich vorsieht, ist das ein schöner Beleg. Siehe auch "Was der Staat kann" von Mariana Mazzucato.