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21. September 2025

"Scham und Angst im Rentenalter"

Ein Feature im Deutschlandfunk von Anja Nehls (Erstsendung 24.5.24) über ein noch immer zu wenig diskutiertes Phänomen und welche Lösungen dagegen helfen könnten. Siehe unsere früheren Beiträge zu "Altersarmut" hier und Thesen dazu anlässlich einer Veranstaltung in Solingen hier.

Sascha Liebermann

20. Mai 2025

"Teilzeitfalle"...

... - so wird in der öffentlichen und sozialpolitischen Diskussion das Phänomen bezeichnet, wenn Eltern nicht vollerwerbstätig sein können, weil es an Betreuungsangeboten fehle. Deswegen, so auch die neue Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas laut Bericht der Frankfurter Allgemeine Zeitung, müsse etwas unternommen werden. Die Diskussion hat schon einige Jahre auf dem Buckel und wird stets von der Warte der Vollerwerbstätigkeit als Ziel geführt, demgegenüber Teilzeittätigkeit ein Problem darstelle (siehe hier und hier). Dass es gute Gründe für Teilzeit- oder gar keine Erwerbstätigkeit geben kann, z. B. den nicht unerheblichen, mehr Zeit für Familie zu haben, scheint nicht von Belang. 

Dabei ist gerade in den vergangenen Jahren der Illusion von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf mehr Aufmerksamkeit zuteil geworden. Als Antwort darauf wurden alternative Arbeitszeitmodelle vorgeschlagen, ohne allerdings eine Abkehr vom Erwerbsvorrang anzustreben, denn daran will kaum jemand ernsthaft rütteln. Genau das aber ist der Grund, dass immer wieder dieselben Vorschläge gemacht werden - die Abschaffung des Ehegattensplittings darf hier genausowenig fehlen wie die Verbesserung von "Anreizen" -, es geht stets um die heilige Vollerwerbstätigkeit, als sei sie das höchste aller Ziele und nicht nur eine Aufgabe neben anderen.

Allerdings, so muss man festhalten, ist das innerhalb des bestehenden Gefüges von Sozialversicherungen und dem Selbstverständnis einer "Arbeitsgesellschaft"  konsequent, alles, was nicht Erwerbstätigkeit betrifft, als zweitrangig zu betrachten. Familie wird so zu einer Freizeitangelegenheit, die man nur gut organisieren und planen müsse, dann gehe das schon. Dadurch jedoch bleibt Familie als Form der Beziehung zueinander auf der Strecke. Vielleicht wäre es dann besser, statt an einer Attrappe festzuhalten, gleich den ganzen Begriff abzuschaffen, das wären dann ehrliche Verhältnisse, man müsste, woran man wäre, Familie wäre eben eine Nebensache. Zugleich könnten all die wiederkehrenden Diskussionen um "sozialen Zusammenhalt", "Empathie", "Solidarität" und wie die Schlagworte heißen mögen, beendet werden, denn wer braucht die schon, wenn es nicht einmal dazu reicht, der Familie in ihrer Eigensinnigkeit (im positiven Sinne) Raum zu lassen? Wer den Mangel des ersten beklagt und den Untergang der Demokratie kommen sieht, sollte sich nicht wundern, wenn er dem zweiten eben kaum Raum gibt. Sparen könnten wir uns auch die großartigen "role models", die ob ihres Erfolges angepriesen werden, wie z. B. das karriereorientierte Elternpaar, in dem beide jeweils zu einem anderen Arbeitsort pendeln, auf Geschäftsreisen sind und dennoch das alles ganz toll unter einen Hut bekommen.

Wer daran zweifelt, dass das gelingen kann, der muss nur einmal einen ganz normalen Vollerwerbsarbeitstag durchrechnen: An- und Abfahrt zum Arbeitsplatz (insgesamt ca. eine Stunde - konservativ gerechnet), Arbeitszeit (acht Stunden), Mittagspause (eine Stunde) - dann werden die Zweifel noch größer. Er geht um 7 Uhr aus dem Haus und ist frühestens um 17 Uhr wieder zuhause. Familie es ist etwas für die "Randzeiten", mehr benötigt sie offenbar nicht - zumindest wenn man den Vollerwerbsapologeten Glauben schenken darf.

Sascha Liebermann

6. Oktober 2022

Ist das nicht eher heute ein Problem?

Ein BGE ist keine gruppenspezifische Leistung, alle sollen es erhalten. Es würde mit der Mär aufräumen, die einen "buckeln", die anderen tun nichts. Dabei nehmen alle Leistungen in Anspruch, die sie selbst nicht erbringen können, wenn sie "buckeln", die sogenannte unbezahlte Arbeit. Damit haben wir heute offenbar kein Problem. Und was erhalten diejenigen, die diese Arbeit übernehmen? Die Quittung in Gestalt ihrer Rente (siehe Altersarmut bei Frauen).

Sascha Liebermann

21. Februar 2022

"Es ist der ewige Kampf ums Geld, der müde und krank macht...

[...] ich habe viele Menschen kennengelernt, die in diesem Kampf mit den Behörden resigniert haben und lieber Flaschen sammeln gehen als ihren Anspruch auf Unterstützung einzufordern". 

Was Frau Breuhaus hier beschreibt, ist als "verdeckte Armut" bekannt und eine Folge dessen, dass Erwerbstätigkeit (folglich auch daraus erworbene Ansprüche) normativ erwünscht und anerkannt sind, das Nicht-Erreichen eines auskömmlichen Einkommens auch im Alter demzufolge als Scheitern an dieser Norm bewertet wird. Wer also auf Ergänzungsleistungen angewiesen ist, muss seine Lage erklären, denn das Minimum erhält er nur, wenn er sich erklärt hat. Auch wenn diese Absicherung als Rechtsanspruch besteht, signalisiert das Gemeinwesen durch die Nachrangigkeit, dass der Regelfall sein soll (Norm), auf solche Leistungen nicht angewiesen zu sein. Wer also angewiesen ist, hat etwas falsch gemacht.

Sascha Liebermann

5. Oktober 2021

9. September 2021

Vollzeiterwerbstätigkeit gegen Altersarmut - ein wiederkehrendes Rezept...

...inbesondere für Fraugen, statt die Stellung von Erwerbstätigkeit zu hinterfragen und Alternativen ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Wer noch mehr Erwerbsbeteiligung, gar Vollzeit für alle will, will damit noch weniger Zeit für Familie und andere Tätigkeiten. Das sollte dann auch so ausgesprochen werden, denn schon heute dominiert Erwerbstätigkeit normativ unseren Alltag und anderes, vor allem Zeit für Nahbeziehungen wie in der Familie werden an den Rand gedrängt.

Siehe unsere früheren Beiträge dazu hier und hier.

Sascha Liebermann

26. Mai 2021

Einkommensabsicherung nicht erreicht - nicht nur in den USA ein Problem, auch in Deutschland

Siehe die Studie des Ifo-Instituts im Auftrag der Stiftung Grundeinkommen. Diese Erkenntnisse sind für Deutschland nicht neu, man denke nur an die Forschung zu verdeckter Armut z. B. von Irene Becker hier und hier, dazu eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hier, zur Altersarmut bei Frauen von Irene Götz hier. Die Frage ist nun: was folgt aus diesen Erkenntnissen? Sie weisen auf die Zielungenauigkeit existierender Leistungen hin, die auch mit der durch sie erzeugten strukturellen Stigmatisierung zu tun haben. Hieraus die angemessenen Schlüsse zu ziehen, fällt aber auch denjenigen schwer, die um das Phänomen wissen. Weshalb? Weil das Erwerbsgebot als normative Erwartung des Gemeinwesens an seine Bürger aufgegeben werden müsste, um diese Stigmatisierung aufzuheben und nicht nur den Rechtsanspruch auf ein Mindesteinkommen vorzusehen, sondern die Bürger auch zu erreichen damit. Ob das gelingt, daran muss ein Sozialstaat sich messen lassen. Erreicht er das nicht, steht diese Art der Leistungsbereitstellung in Frage.

Sascha Liebermann

18. Februar 2021

"Trotz 45 Jahren Beschäftigung Menschen droht 'Lawine der Altersarmut'"...

 ...das berichtet n-tv. Im Beitrag wird darauf hingewiesen, dass diesem Problem mit der "Grundrente" begegnet werde, der Paritätische Wohlfahrtsverband schlägt eine Mindestrente vor - beide denken an Erwerbstätige, die anderen erhalten Grundsicherung. Sind diejenigen, die das bestehende Sozialstaatsgefüge verteidigen nicht dieselben, die immer verkünden, "Arbeit" müsse sich "lohnen"?

Siehe auch frühere Beiträge von unserer Seite zur Frage der Altersarmut.

Sascha Liebermann

13. November 2020

"Dauerstress statt Ruhestand" - ganz gleich, was die Statistik sagt, wieder ein Symptom für Zielungenauigkeit...

 ... zeigt diese Dokumentation im ZDF (siehe auch diese hier). Selbst wenn das Phänomen abnehmen würde, änderte das nichts daran, dass Bürger durch das Raster des komplexen Sozialstaates fallen. Das hat auch mit der Ziel-Ungenauigkeit der Leistungen zu tun, was viele nicht wahrhaben wollen (siehe hier).

Siehe auch den Beitrag von Stefan Sell zur Überschuldung bei Senioren.

Sascha Liebermann

5. Oktober 2020

"Die Dynamik des Anstiegs der Altersarmut in den vergangenen Jahren macht Sorgen" - wie dem entkommen?

Mit den Sorgen befasst sich Stefan Sell in seinem Beitrag ausführlich, um auf verschiedene Aspekte hinzuweisen, so z. B. verdeckte Armut (Nicht-Inanspruchnahme von Rechtsansprüchen) oder den Unterschied zwischen Beziehern von Grundsicherung im Altern und der Zahl der Personen, die gerade keinen Anspruch mehr haben und deswegen in dieser Statistik nicht auftauchen.


Der Staat spart dadurch eine "Menge Geld", wie Sell gegen Ende schreibt, man könnte dies auch umgekehrten Leistungsmissbrauch nennen, weil die Hürden für die Inanspruchnahme bzw. die Stigmatisierung, die damit einhergeht, dazu beitragen, dass Anspruchsberechtigte ihre Ansprüche nicht wahrnehmen. Welche Lösungen könnte man ins Auge fassen? Derer gibt es verschiedene, solche, die im bestehenden Sozialstaatsgefüge sich bewegen, also z. B. Erhöhung der Grundsicherung und entsprechender Leistungen, stärkerer Anstieg der Renten. Damit würden aber die Gründe für den Nicht-Bezug nicht beseitigt. Also müssten die Hürden für die Inanspruchnahme gesenkt oder ganz aus dem Weg geräumt werden. Das ist durchaus vorstellbar, weist dann aber schnell in Richtung eines Bedingungslosen Grundeinkommens. Dann könnte man Zwischenschritte gleich überspringen und den großen Schritt wagen, um langfristig eine tragfähige Antwort zu haben. Da ist Sell aber selbst skeptisch, teils aus politisch-praktischen Gründen, teils aus Vorbehalten.

Sascha Liebermann

6. Juli 2020

"Grundrente behebt Altersarmut kaum"...

...ein Interview mit Johannes Geyer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Siehe frühere Beiträge zu diesem Thema hier.

23. Juni 2020

"Die Schweiz steuert auf Altersarmut zu"...

...auch bei unserem Nachbarn ist das ein Thema, wie die Schlagzeile der Schweizer Zeitung Blick zeigt. Es geht um die Folgen der Corona-Krise für Arbeitnehmer über 55 Jahre, ein Leser verweist auf ein Bedingungsloses Grundeinkommen als Alternative.

25. Mai 2020

23. September 2019

16. September 2019

Risiko von Altersarmut steigt - Einsichten der Bertelsmann Stiftung


12. Juni 2019

"Altersarmut unter Frauen. Viel Arbeit, aber kein Job"...

...Deutschlandfunk Kultur sendet die Aufzeichnung einer Veranstaltung aus dem Grillo-Theater Essen. An dem Gespräch nahm auch Irene Götz teil.

Siehe zu dieser Frage unsere früheren Beiträge hier. Darunter finden sich auch Kommentare zu Äußerungen von Irene Götz, die - wie üblich in der Diskussion - eine Lösung vor allem in der Ausweitung von Erwerbstätigkeit sieht. Damit wären aber keine Freiräume geschaffen für Tätigkeiten jenseits von Erwerbstätigkeit, schon gar nicht wäre ihr Vorrang aufgehoben und Familien hätten ebenso das Nachsehen, wenn noch weniger Zeit zur Verfügung stünde.

Sascha Liebermann

27. Mai 2019

24. Mai 2019

"Mädchen, wir müssen raus aus Deutschland" - deutsche Rentner in Bulgarien...

...weil es in der Heimat zu teuer geworden ist, damit befasst sich der Beitrag von Christian Spiller auf Zeit Online.

Zum Thema Rente und Altersarmut siehe unsere früheren Beiträge hier und hier.

8. März 2019

6. März 2019

"Frauen ziehen den Kürzeren"...

...ein Interview mit der Kulturwissenschaftlerin Irene Götz in der taz.

Drastisch wird die Lage der Frauen geschildert, die in Altersarmut leben, deutlich wird, was diese mit dem System sozialer Sicherung in Deutschland zu tun hat. Welche Auswege sieht Irene Götz?

"Ist absehbar, wie sich die Situation für Frauen entwickelt, die heute zwischen 30 und 50 Jahre alt sind?
Für die große Gruppe der Babyboomer, die jetzt älter als 50 sind, wird es katastrophal, wenn jetzt nicht umgesteuert wird. Die Frauen dieser Generation sind zwar zunehmend erwerbstätig, aber oft in Teilzeit. Das geht in Zukunft nicht mehr. Die Frauen – und Männer – also, die jetzt zwischen 30 und 50 sind, müssten auf die Straße gehen, für Lohngleichheit kämpfen und dafür sorgen, dass Arbeit anders aufgeteilt wird. 35-Stunden-Woche für alle, dafür gleichmäßige Verteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit.
Es sind zum einen strukturelle Reformen nötig, um die Rente im System der Umlage noch auszahlen zu können. Und es braucht einen Bewusstseinswandel bei Frauen und Männern, dass die Idee der Eineinhalb-Ernährer-Familie nicht mehr greift. Ich vermute, dass sich da noch was tut."

Weshalb taucht Familienleben hier nicht auf, immerhin ein entscheidender Grund dafür, weshalb die Frauen, über die berichtet wird, so geringe Einkommen haben? Lohngleichheit, höhere Renten - gut, wie genau sähe die Absicherung derer aus, die kaum erwerbstätig waren? Heils Grundrente leistet für diese Gruppe gar nichts. Wem hilft die 35-Stunden-Woche, wenn zuhause Kinder sind? Das ginge nur dann, wenn die innerhäusliche Versorgung, die Fürsorge für die eigene Familie, weiter degradiert wird, wie es heute durch die Sozialpolitik geschieht. Hier greift auch die Kritik am Ehegattensplitting nicht, weil das ja gerade für einen gewissen Ausgleich sorgt. Der Einwand, es halte aufgrund "falscher Anreize" Frauen davon ab, erwerbstätig zu sein, ist ebenso kurzsichtig wie die Kritik am Sozialstaat, der eine Hängematte bereitstelle.

Siehe auch den Kommentar zu einem anderen Beitrag von ihr.

Sascha Liebermann