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19. August 2022

"Ja, bei uns wurde jede Arbeit anerkannt" - und dennoch gilt der Vorrang von Erwerbstätigkeit

In einem Interview, das Zeit Online mit der neuen Vorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, geführt hat, geht es um vieles und es geht um ihr Verständnis von Arbeit, Sozialstaat und Sanktionen. Wäre es zu erwarten, dass seit ihrem Rücktritt als SPD Vorsitzende und ehemalige Bundesministerin sich womöglich ihr Verständnis diesbezüglich verändert hat (siehe unsere früheren Kommentare hier und hier)?

"ZEIT: Hätte Ihr Vater das, was man heute Care-Arbeit nennt, als Arbeit gelten lassen?
Nahles: Ja, bei uns wurde jede Arbeit anerkannt. Es gab eine typische Arbeitsteilung. Aber Arbeit habe ich bei uns zu Hause immer ganz stark als etwas Gemeinschaftliches erlebt, etwas, das ein »Wir« beinhaltet. Meine ersten Kindheitserinnerungen sind damit verbunden. Ich war vier Jahre alt, 1974 muss das also gewesen sein, da wurden Zuckerrüben auf dem Feld geerntet. Die haben wir unseren drei Kühen im Winter zugefüttert. Die Strünke wurden von den Erwachsenen abgeschnitten, die ließen sie einfach fallen, damit es schneller geht. Und die kleinsten Kinder mussten diese Strünke auf einen Haufen schichten. Die Belohnung war ein Glas selbst gemachter Himbeersaft. (lacht)"

Diese Ausführungen würden einen weiten Blick über die Leistungen erwarten, von denen ein Gemeinwesen lebt, denn Nahles unterscheidet hier nicht zwischen Erwerbsarbeit und unbezahlter Arbeit - beides wurde "anerkannt". Aufschlussreich ist, dass das einfache Füreinanderdasein, hier der Eltern für die Kinder, keine Rolle spielt, davon lebt ein Gemeinwesen aber ebenso. Doch dazu äußert sie sich im Interview nicht weiter. 

An einer späteren Stelle folgt dies:

"ZEIT: In der Debatte ums Fördern und Fordern war immer die Frage, wie man Leute ans Arbeiten kriegt, die nicht arbeiten wollen. Stellt sich diese Frage noch?

Nahles: Die stellt sich manchmal noch. Arbeitslosigkeit macht mit den Menschen etwas. Je länger du arbeitslos bist, desto weniger traust du dir selber zu. Arbeitslosigkeit wird, nach vielen Studien, als schwierigere Erfahrung empfunden als eine Scheidung! Der Verlust von Selbstbewusstsein, von sozialen Kontakten, der Verlust einer Aufgabe – egal was für eine Aufgabe das war. Die Frage ist nicht: Wollen die Menschen arbeiten? Sondern ob sie sich das zutrauen, ob sie wieder in einen Tagesablauf reinkommen. Wie weit Arbeit von ihrem Leben entfernt ist. Dafür brauchen wir den sozialen Arbeitsmarkt, wo wir die Menschen mehrere Jahre begleiten und anteilig auch das Gehalt bezahlen."

Eine klassische SPD-Position, die sie hier vertritt. Warum allerdings muss man "Leute", "die nicht arbeiten wollen", dazu bekommen, doch zu arbeiten? Als Erziehungsmaßnahme? Welche Gründe haben sie dafür, sich dahingehend nicht einzubringen? Mindestens die Frage sollte gestellt werden. Für Nahles ist etwas anderes entscheidend, die Folgen von "Arbeitslosigkeit". Der Verweis auf Studien führt noch nicht zu einer Erklärung dafür, weshalb diese Folgen entstehen - und Nahles differenziert nicht. Wer darüber hinweggeht, dass ein maßgeblicher Grund für diese Folgen die normative Bewertung von Erwerbsarbeit ist, es sich um ein Erwerbsgebot handelt, dem Folge geleistet werden soll, bleibt an der Oberfläche. Die strukturelle Stigmatisierung von Erwerbslosen rührt genau daher, dass sie dieser Norm nicht mehr folgen, ganz gleich aus welchen Gründen (eine Ausnahme: friktionelle Erwerbslosigkeit). Sie können auch nicht ausweichen in andere, vom Gemeinwesen ebenso anerkannte Tätigkeiten, denn die gibt es außerhalb des Erwerbsgebots nicht, sie gelten als zweitrangig, das reicht bis in die Familienpolitik hinein. Wer sich dafür entscheidet, nicht erwerbstätig zu sein, muss es sich leisten können und die Stigmatisierung auf sich nehmen, die damit einhergeht. Nahles verliert kein Wort über diesen Zusammenhang. 

Wenn die Frage nicht ist, ob Menschen arbeiten wollen, sondern ob sie es sich "zutrauen", dann benötigt es keine Sanktionen bzw. sanktionsbewehrte Leistungen, dann benötigt es Angebote, die auch ausgeschlagen werden können, denn dafür hätten sie dann Gründe. Erst eine Aufhebung des Erwerbsgebots nimmt den Druck gerade von denjenigen, die es sich nicht zutrauen - wenn das denn der Grund wäre.

Direkt im Anschluss folgt eine treffende Nachfrage:

"ZEIT: Wenn 'Wollen' keine Kategorie mehr ist, warum braucht es dann trotzdem weiterhin Sanktionen bei der Hilfe für Langzeitarbeitslose?
Nahles: Die Bundesagentur für Arbeit spricht in rund drei Prozent der Fälle Sanktionen aus. Das steht für uns wirklich nicht im Mittelpunkt."

Eine empiristische Verwechslung liegt hier vor, denn auch wenn es anteilig nur wenige Personen sind, die sanktioniert werden, entfaltet das Erwerbsgebot und die aus ihm abgeleitete Sanktionsdrohung (daran ändert die Aussetzung der Sanktionen nicht allzuviel) ihre Wirkung - und sie gilt nicht nur für Erwerbslose. An den Sanktionen allerdings hängen konkrete Personen mit ihrem Leben, es stellt sich also die Frage, ob Sanktionen überhaupt angemessen sind und wenn die Auffassung vertreten wird, sie seien angemessen, muss ihre Wirksamkeit belegt werden (was zuletzt das Bundesverfassungsgericht forderte). Bedenkt man hierbei noch, dass etwas 75% der Sanktionen Terminversäumnisse betreffen, stellt sich die Frage um so mehr.

Nochmals wird nachgehakt:

"ZEIT: Trotzdem braucht man sie?>p>Nahles: Ich habe eine ganz klare Haltung: In unserem Land gibt es einen Sozialstaat. Wenn man die Hilfe beansprucht, die andere Arbeitnehmer erwirtschaften, ist das Mindeste, dass man versucht, sich zu beteiligen. Damit man schauen kann, welche Probleme bestehen: Ein Suchtproblem? Eine psychische Krankheit? Fehlende Kinderbetreuung? Wir machen auch aufsuchende Arbeit, wir gehen zu den Menschen, weil wir während der Pandemie zu vielen den persönlichen Kontakt nicht haben halten können. Und im Übrigen: Im Straßenverkehr gibt es ja auch Konsequenzen, wenn man sich nicht an Gesetze hält"

Hier werden wieder zwei verschiedene Dinge in einen Topf geworfen. In der Tat gilt, das Gesetze, solange sie in Kraft sind, nicht nach privaten Vorlieben verändert werden dürfen. Allerdings begründen sich Gesetze nicht aus sich selbst, sondern aus einer parlamentarischen Entscheidung und der Legitimität, die sie dadurch erlangen. Wie Nahles dazu hinleitet, zeigt den blinden Fleck, obwohl sie zu Beginn des Interviews noch von einem weiten Verständnis von Arbeit sprach. Hier nun gilt die "unbezahlte Arbeit" nichts, das sorgende Füreinanderdasein ist eben keine Arbeit in Nahles und des Sozialstaats Sinn. Dass das Gemeinwesen aber von diesen Sorgetätigkeiten lebt, dass durch sie überhaupt erst diejenigen aufwachsen können, die dann später Verantwortung in jeder Hinsicht zu übernehmen in der Lage sind, hat sie auf dem Weg von Beginn des Interviews bis hier entweder vergessen oder sie bewertet das in der Tat anders.

Hier nennt Nahles ein Beispiel dafür, wann Sanktionen "gerecht" sind:

"ZEIT: Können Sie ein Beispiel nennen, wo es gerecht ist, dass sanktioniert wird?
Nahles: Es gibt Leute, die sich gar nicht mehr mit uns ins Gespräch begeben. Und wenn das mehrmals passiert, gibt es eine Leistungsminderung. Nicht mehr hundert Prozent, das habe ich immer kritisch gesehen. Aber im Ausnahmefall braucht man dieses Instrument."

Weshalb braucht "man" dieses Instrument? Wenn die Agenturen für Arbeit "aufsuchende Arbeit" leisten und mit Leistungsbeziehern ins Gespräch kommen wollen, dabei indes feststellen, dass jemand am besten damit gestellt ist, wenn sein Nicht-Wollen anerkennt wird, weil ohnehin er für eine kontinuierliche Tätigkeit nicht zu gewinnen oder gar zu gebrauchen wäre - dann wäre es doch naheliegend zu sagen, dafür ist es nicht sinnvoll, Zeit zu verschwenden. Hier ruft wieder das Gesetz, auf das sie sich bezogen hatte. 

Ein solches Interview zeigt in aller Deutlichkeit, welche Hürden die Diskussion um ein Bedingungsloses Grundeinkommen zu nehmen hat.

Sascha Liebermann

26. Oktober 2021

7. Oktober 2020

"Bundesagentur für Arbeit bereitet sich auf mögliche Pleitewelle vor"...

...berichtet Zeit Online. Da die Bundesagentur nicht gerade für einen pessimistischen Blick auf den Arbeitsmarkt steht, macht die Schlagzeile deutlich, wie weit die Auswirkungen der im ersten Halbjahr ergriffenen Maßnahmen reichen. Dass für den Vorsitzenden, Detlef Scheele,  es keine Alternative zu dem bestehenden Sozialstaat und seinen sanktionsbewehrten Leistungen gibt, hat er des öfteren Kund getan, siehe hier.

Sascha Liebermann

3. Juli 2020

"Hartz-IV-Empfänger müssen wieder mit Sanktionen rechnen" - Ja, aber was wäre denn die Alternative?...


...innerhalb des bestehenden Sozialstaats ist das konsequent.

Sascha Liebermann

Rückkehr zum Gewohnten


28. November 2019

Die Bundesagentur will offenbar an Sanktionen über 30% festhalten


15. November 2019

19. März 2019

22. Februar 2019

13. Dezember 2018

"Die SPD – Partei der Arbeit oder der Arbeitslosen?"...

...ein Beitrag von Florian Gerster, ehemals Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Gerster zitiert teils aus dem Protokoll des Bundesparteitags der SPD 2003, um deutlich zu machen, wie groß die Unterstützung für die Agenda-Politik in der SPD, auch im Parteivorstand, war.

Wie ist der Duktus von Gersters Beitrag? Weitgehend ein Jubeltext auf die Reformen, der mit solchen Beispielen arbeitet:

"Wer Grundsicherungsleistungen für Kinder kritisiert, kritisiert Armutsbekämpfung. Wer Sanktionen zur Vermeidung von Sozialleistungsmissbrauch bekämpft, begünstigt auch das Treiben von Großfamilien vom Balkan, die sich im deutschen Sozial- und Arbeitsrecht bestens auskennen."

Was die SPD jüngst als Sozialstaatsreform in die Diskussion warf, bezeichnet Gerster zurecht als Wortgeklingel. Es wird mit Begriffen wie "Bürgergeld" gegen Bedingungsloses Grundeinkommen hantiert, um doch letztlich beim Alten in modifizierter Form zu bleiben.

Sascha Liebermann

31. Oktober 2018

Offizielle Arbeitslosigkeit und darüber hinaus...

...darauf weist, angesichts der jüngsten Meldungen zu niedrigsten Stand der Arbeitslosigkeit, O-Ton-Arbeitsmarkt wieder hin.

Geht man noch einen Schritt weiter in der Betrachtung, muss die Zahl derjenigen herangezogen werden, die im Leistungsbezug des Arbeitslosengeldes II bzw. im
Rechtskreis des Zweiten Sozialgesetzbuches sind. Dann sieht die Sache schon anders aus. Will man also wissen, wer nicht von Erwerbseinkommen lebt bzw. nicht alleine leben kann, dann fällt die Zahl derer, die direkt alimentiert werden, anders aus.

Gäbe es ein Bedingungsloses Grundeinkommmen würden diese Zahlen ohnehin ganz anders betrachtet, sie hätten nicht die Bedeutung, die ihnen heute zugemessen wird. Arbeitslosigkeit hätte einen anderen Stellenwert, weil Erwerbstätigkeit einen anderen hätte.

Sascha Liebermann




2. Juli 2018

Offizielle und inoffizielle Arbeitslosigkeit

O-Ton-Arbeitsmarkt hat diese Daten wieder einmal zusammengestellt.

Eine ähnliche Grafik zur Sache bietet die die Linke im Bundestag. Siehe unten.






















23. Mai 2018

Gerade noch rechtzeitig: "Vollbeschäftigung bis 2025 ist realistisch"...

...so Detlef Scheele, der Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit in einem Interview mit der Wolfsburger Allgemeinen.

Für ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist es vollkommen unbedeutend, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt, so oder so ist es ein Vorschlag, der viele Möglichkeiten schafft. Siehe einen älteren Kommentar von mir dazu hier und hier.

Sascha Liebermann

27. April 2018

Über Wohlstand, Alimentierung und die Sorge davor, von anderen abhängig zu sein

Jüngst gab der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit dem Kölner Stadtanzeiger ein Interview. Während der Titel lautet "Man bekommt kein Gehalt aus Solidarität" und das so klingt, als habe der Vorsitzende eine Aussage über Löhne im Allgemeinen getroffen, sagte er im Interview etwas anderes. Dort ging es um das "solidarische Grundeinkommen" und was es auszeichnet:

"Berlins Bürgermeister Michael Müller hat ein "solidarisches Grundeinkommen" gefordert: Sie halten den Ansatz für falsch. Warum?
Ich war einer der Ersten, der gesagt hat, wir brauchen einen sozialen Arbeitsmarkt für eine kleine Gruppe von Menschen. Ich halte aber den Begriff eines solidarischen Grundeinkommens für falsch. Er liegt zu nah am "bedingungslosen Grundeinkommen". Damit weckt der Begriff Erwartungen, die er nicht erfüllen kann. Denn auch auf einem öffentlich geförderten Arbeitsmarkt geht es um einen Lohn - entweder den Tariflohn oder den ortsüblichen Lohn - als Gegenleistung für erbrachte Arbeit. Man bekommt sein Gehalt also nicht aus Solidarität."

Genau so ist es, das solidarische Grundeinkommen spielt nur mit dem Wort "Grundeinkommen", ist aber etwas vollständig anderes als ein BGE. Darauf ist mittlerweile schon oft hingewiesen worden. Scheele hebt dadurch allerdings etwas hervor, was nur indirekt in seiner Äußerung sichtbar wird. Dass eben "Gehalt" nur äußerst unvollkommen abbildet, von welchen Leistungen ein Gemeinwesen lebt. Das wird auch in der folgenden Bemerkung deutlich:

"Wer kommt denn für eine solche Tätigkeit in Frage?
Dieses Angebot soll sich an Menschen richten, die mehrere Jahre arbeitslos sind, älter und keine berufliche Ausbildung haben oder gesundheitlich eingeschränkt sind - also Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt so gut wie keine Chance haben und die als Ultima Ratio so ein Beschäftigungsverhältnis bekommen. Was ist denn die Alternative? Alimentieren bis zum Renteneintrittsalter. Wir müssen uns um jeden Einzelnen bemühen."

Also, "workfare statt welfare", wie das vor einigen Jahren noch hieß, oder eben "aktivierende Sozialpolitik". Warum nicht alimentieren, was spricht grundsätzlich dagegen? Gäbe es den normativen Vorrang von Erwerbstätigkeit als non plus ultra nicht, dann gäbe es auch die stigmatisierenden Effekte der Leistungen für Erwerbslose bzw. alle Leistungsbezieher nicht. Alimentierung ist nicht per se ein Nachteil, sie kann entlastend sein, von Illusionen befreien und deutlich machen, dass dem Einzelnen zuallererst einmal zugetraut wird zu wissen, wie er sich einbringen möchte. Im heutigen Gefüge gilt Alimentierung als Missstand, weil Erwerbstätigkeit eine solche enorme Bedeutung verliehen wird, die sie bei genauerer Betrachtung gar nicht hat. Wenn wir uns nur kurz vor Augen führen, wie unser Wohlstand heute entstehen konnte und bewahrt werden kann, müssen wir folgendes eingestehen:

1. Er ruht auf den Leistungen vorangehender Generationen (Hervorbringung von Demokratie, Rechtstaat, Wissen, Infrastruktur, Kultur, Kulturtechniken usw.)

2. Leistungsfähigkeit und -bereitschaft entsteht in Bildungsprozessen, die weder planbar noch "steuerbar" sind. Sie müssen ermöglicht werden und das geschieht vor allem in der Familie durch die Eltern und die Erfahrungsräume, die sie ihren Kindern schaffen, die Verlässlichkeit, mit der sie da sind und sich sorgen. Institutionen sind erst nachgelagert von Bedeutung

3. Die Loyalität der Bürger (nicht der Erwerbstätigen) trägt das Gemeinwesen, von ihr ist sein Wohlergehen abhängig (Normbindung). Wirtschaftsgeschehen dafür nachgelagert von Bedeutung, lebt von Voraussetzungen, die es nicht schaffen kann

4. Die Arbeitsteilung ist heutzutage in jeder Hinsicht umfassend – Leistung individuell nicht zurechenbar. Die Vorstellung, Lohn und Leistung stünden in einem Verhältnis zueinander ist eine Illusion. Nur sehr vermittelt trifft das zu, Löhne sind willkürliche Vereinbarungen auf Basis des Verteilbaren.

Alle hängen mit allen zusammen und können nicht auseinanderdividiert werden, es sei denn um den Preis, eine der vier Dimensionen zu vernachlässigen. Wenn diesen Zusammenhängen gemeinschaftlich Rechnung getragen werden soll, dann muss es eine Einkommenssicherung geben, die dem entspricht, sowohl die Verflochtenheit zur Geltung bringt, als auch die individuelle Initiative fördert. Wenn wir uns also "um den Einzelnen bemühen" müssen, ohne dass es paternalistisch wird, führt am Bedingungslosen Grundeinkommen eben kein Weg vorbei.

Sascha Liebermann

25. April 2018

"Bundesagentur für Arbeit: Irreführende „Vakanzzeiten“ von Stellenangeboten"...

... ein Glossar zur Arbeitsmarktstatistik - so könnte man Beiträge auf O-Ton-Arbeitsmarkt bezeichnen, mit denen über die Eigenheiten der Datenerhebung berichtet wird.

12. April 2018

"Nur ein ganz geringer Teil wird überhaupt sanktioniert"...

...so Detlef Scheele, Vorsitzender der Bundesagentur für Arbeit, über Sanktionen für Arbeitslosengeld II-Bezieher, zitiert nach der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:

"Die Zahl der Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger ist im vergangenen Jahr leicht auf knapp 953.000 gestiegen. Das waren rund 13.700 mehr als im Vorjahr, wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die Sanktionsquote - also das Verhältnis von verhängten Sanktionen zu allen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten - lag unverändert bei 3,1 Prozent. „Die allermeisten Leistungsberechtigten halten sich an die gesetzlichen Spielregeln. Nur ein ganz geringer Teil wird überhaupt sanktioniert“, sagte dazu BA-Chef Detlef Scheele.

Mit 77 Prozent entfällt zudem ein Großteil der Sanktionen auf Meldeversäumnisse - wenn also beispielsweise jemand einen Termin beim Jobcenter ohne Angaben eines wichtigen Grundes nicht wahrnimmt. 2017 mussten die Jobcenter bei 733.800 Menschen deswegen die Regelleistung um zehn Prozent absenken. „Drei von vier Sanktionen entstehen schlicht deshalb, weil vereinbarte Termine im Jobcenter gar nicht erst wahrgenommen werden“, sagte Scheele. Deshalb böten die Jobcenter einen Termin-Erinnerungsservice per SMS an."

An den Vorurteilen gegenüber den Leistungsberechtigten wird das wohl wenig ändern, siehe auch hier, hier und hier. Hat nicht kürzlich noch Rainer Hank, Redakteur der FAZ, behauptet, der Anreiz sei hoch, sich einzurichten im Arbeitslosengeld II?

Sascha Liebermann

2. März 2018

"6,9 Millionen Menschen leben von Arbeitslosengeld oder Hartz-IV-Leistungen"...

...das klingt schon ganz anders als die offiziellen Meldungen der Bundesagentur für Arbeit, auf die wir gestern ebenso hingewiesen haben wie auf die inoffizielle Arbeitslosigkeit.

Ein Leser schrieb uns, um auf die Aufstocker hinzuweisen, die im Grunde noch dazugerechnet werden müssten. O-Ton-Arbeitsmarkt hat dies dankenswerterweise schon getan, worauf wir hiermit aufmerksam machen wollen.

23. Januar 2018

"Scham und Schikane..." - Folgen einer gut gemeinten Sozialpolitik, die die Schwachen schwächt

Auch wenn der reißerische Titel dieses Beitrag bei Plusminus an der Sache vorbeigeht,  so greift die Dokumentation gleich zu Beginn doch ein wichtiges Thema auf, dass nämlich Rechtsansprüche von Bürgern aus Scham nicht wahrgenommen werden. Für dieses Phänomen gibt es in der sozialwissenschaftlichen Forschung den Ausdruck "verdeckte Armut". Erfahrene Experten auf diesem Gebiet kommen ebenfalls zu Wort. Worüber berichtet wird, dass aus Scham Leistungen nicht beansprucht werden, ist eines, dass Bezieher einem komplexen Gefüge von Gesetzen gegenüberstehen, die sie nicht durchschauen, ist das andere. Am ehesten schaffen es also diejenigen, darin ihre Interessen wahrzunehmen, die diese selbstbewusst genug verfolgen. Und die anderen? Sie haben das Nachsehen. Ist das womöglich der Preis eines Verständnisses von Sozialpolitik, das zwar besonders gerecht sein will, dazu jedoch besonders komplexe Gesetze benötigt, deren Befolgung kontrolliert werden muss?! Mehr Pauschalen ohne Vorbehalte können viel leisten, und zwar gerade die erreichen, die sie besonders benötigen. Das schließt darüber hinaus gehende Leistungen keineswegs aus. Ein Bedingungsloses Grundeinkommen verliehe den Einzelnen erst die bestärkende Grundlage, um andere Leistungen selbstbewusst wahrzunehmen, auch wenn das Leben sie nicht privilegiert hat.

Sascha Liebermann

29. September 2017

17. August 2017

"Hartz-IV-Aufstocker: Staat subventioniert Niedrigeinkommen jährlich mit Milliarden Euro"

...berichtet O-Ton-Arbeitsmarkt

"2016 erhielten Erwerbstätige vom Staat Hartz-IV-Leistungen in Höhe von 10,78 Milliarden Euro. Die Zahlungen an Hartz-IV-Aufstocker sind gegenüber dem Vorjahr somit um rund 250 Millionen Euro gestiegen, wie aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen. Nach Einführung des Mindestlohns müssen nun vor allem sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken."