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3. Januar 2024

"Freizeitpark Deutschland" nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes

Ganz absehen wollen wir einmal von der "unbezahlten Arbeit" (siehe auch hier).

Sascha Liebermann 

29. September 2022

31. März 2022

"46 % der Bevölkerung lebten 2021 von eigener Erwerbstätigkeit"...

 ...ist die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes übertitelt und enthält alle Fallstricke, die mit einer solchen Betrachtung verbunden sind und mit einem Blick auf die Zeitverwendungsstudien (siehe auch hier und hier) erst an Deutlichkeit gewinnen.

Denn, so bedeutend Erwerbstätigkeit als Einkommensquelle ist, von der man "leben" kann, so sehr neigt diese Betrachtung dazu, die anderen Tätigkeiten zu übersehen, von denen man ebenso "lebt", die aber nicht erwerbsförmig sind, die sogenannte "unbezahlte Arbeit".

Sascha Liebermann

7. März 2022

Wichtige Übersicht...

...aber methodisch eben doch begrenzt, weil sie den umfassenden Charakter sorgender Beziehungen nicht erfassen kann, siehe hier, weitere Beiträge dazu hier.

Sascha Liebermann 

17. August 2020

"Armutsgefährdung in Bremen, Hessen und Nordrhein-Westfalen von 2009 bis 2019 am stärksten gestiegen"...

 ...meldet das Statistische Bundesamt in seiner Pressemitteilung Nr. 308 vom 13. August.

16. Juli 2020

"Drei Viertel der 18- bis 64-Jährigen leben von ihrer eigenen Erwerbstätigkeit" - ein verbreitetes Missverständnis,...

...als hieße das, sie sorgten selbst für ihr Einkommen. Doch diese Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes entspricht einem verbreiteten Missverständnis, in dem sich eine Überhöhung von Selbständigkeit zeigt. Denn Einkommen ist nur die andere Seite der Inanspruchnahme einer Leistung, Einkommen kann es nur geben, wenn auf der anderen Seite jemand diese Leistung - worin immer sie bestehen mag - in Anspruch nimmt. Diese Vereinseitigung trifft man noch dort an, wo institutionelle Akte etabliert sind, z. B. wenn es um die Verleihung akademischer Grade geht. So kann man immer wieder in Lebensläufen auch von Wissenschaftlern lesen, dass sie sich dort und dort "promoviert haben". Dann bräuchte es das ganze Verfahren nicht mehr, wenn die Kandidaten sich schon selbst die Grade verleihen könnten.

Die Pressemitteilung bringt gut zum Ausdruck, weshalb sich viele mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen schwer tun, weil sie fest davon überzeugt sind, dass das, was sie sind, sie aus eigenen Kräften geworden sind. So unrealistisch das ist, so lange hält sich diese Vorstellung, dabei ist für jeden erfahrbar, wie sehr wir immer in Bezugnahmen auf andere leben, in Abhängigkeit von ihnen. Was für Leistungserstellung und -verbrauch gilt, gilt ebenso für die Existenz eines Gemeinwesens, denn es bedarf der Loyalität seiner Bürger, damit es sich erhalten kann - was nichts anderes heißt, dass jeder von allen abhängig ist. So erklären sich Rechte und Pflichten in einem Gemeinwesen, wiewohl ein demokratisches Gemeinwesen die Übernahme von Pflichten nicht erzwingen kann, ohne seine Grundfesten zu zerstören (Böckenförde-Diktum). Es gilt, das leuchtet vielen noch am ehesten ein, ebenso für Familie, wobei es auch dort deutliche Tendenzen gibt, familiale Beziehungen als Aggregation von Einzelwesen zu betrachten oder gar Beziehungsgefüge so zu betrachten, als könnten sie jederzeit verlassen oder aufgegeben werden, ohne dass diese Folgen hätte. Nicht von ungefähr wird auch in diesem Zusammenhang zunehmen von "Wahlmöglichkeiten" gesprochen und stets nur die eine Seite betont.

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist nun deswegen so interessant, weil es diese Abhängigkeitsverhältnisse als Grundlage von Freiheit so deutlich und unmittelbar erfahrbar macht. Es signalisiert mit seiner kontinuierlichen Bereitstellungen, dass es keine Existenzsicherung ohne die anderen geben kann. So lange wir aber meinen, man "verdiene" Geld "mit der eigenen Hände Arbeit" oder ähnlichen Maximen, so lange leben wir an den beschriebenen Verhältnissen vorbei.

Sascha Liebermann

19. Februar 2020

23. Januar 2020

"Unbezahlte Arbeit" messen - ohne das Beziehungsgefüge zu erfassen

Jüngst wurde in den Medien, hier z. B. in der Tagesschau, über die Oxfam-Studie zu sozialer Ungleichheit weltweit berichtet. Darin ging es auch um den Umfang "unbezahlter Arbeit", der täglich geleistet werde, laut Studie habe er ein Volumen von 12 Mrd. Stunden pro Tag weltweit. Geleistet werden sie überwiegend von Frauen und Mädchen. Das ist nicht überraschend, denn wer die Zeitverwendungsstudien des Statistischen Bundesamtes kennt, ist über die Lage für Deutschland gut informiert. Nach den letzten Erhebungen 2013 (hier ausführlicher) ist der Umfang unbezahlter Arbeit ein Viertel höher als der bezahlter. In der Studie von 2002 war der Unterschied noch etwas stärker.

Hat die Bedeutung unbezahlter Arbeit deswegen abgenommen? Zu diesem Schluss könnte man gelangen, wenn die Relation zur bezahlten Arbeit betrachtet wird. Der Grund allerdings für die leichte Abnahme ist lediglich einer der Kategorisierung. In dem Moment, da Haushaltstätigkeiten ausgelagert werden, z. B. an Kitas, Reinigungskräfte, Kochdienste usw. sinkt das Volumen unbezahlter Arbeit. Wird zugleich bezahlte Arbeit von denjenigen aufgenommen, die zuvor unbezahlte geleistet haben, steigt dieses Volumen. Andere Faktoren spielen hierbei auch eine Rolle, z. B. demographische Veränderungen. Das alles ist nicht neu und findet auch Beachtung in methodischen Erläuterungen der Studien. Weniger Beachtung hingegen findet - so auch in der jüngsten Berichterstattung - der Umstand, was denn durch die statistischen Verfahren überhaupt erhoben wird. Norbert Schwarz und Florian Schwahn stellen ihrem Beitrag über die Veränderung unbezahlter Arbeit privater Haushalte eine differenzierte methodische Bemerkung voran, wie denn überhaupt gemessen werden kann und was dies voraussetzt. Dazu bedarf es vor allem einer Abgrenzung beider "Arbeits"-Formen. Setzt man hierfür das Kriterium bezahlt oder nicht bezahlt an, scheint es noch einfach. Immerhin lässt es sich abgrenzen.

Worüber die Abgrenzung aber keine Auskunft gibt, sie auch nicht geben kann, ist, welche Unterschiede im Beziehungsgefüge dieser Arbeitsformen bestehen. So stellt es die Forscher vor ein Problem, wie denn Erziehungszeiten zu messen sind, wenn z. B. Eltern gar nicht direkt mit ihren Kindern in eine gemeinsame Aktivität involviert sind, sondern nur in der Nähe sich aufhalten, während ihr Kind im anderen Zimmer spielt; wenn in der Küche gekocht wird, das Kind aber nur in der Nähe dabei sein will oder im selben Raum sich selbst beschäftigt. Solange sie sich nicht direkt einander zuwenden, ist es eine Frage der Definition, ob denn das nun "Erziehungszeit" ist oder nicht. Die bloße Anwesenheit ist einer solchen Definition zufolge noch keine Aktivität. Wer Kinder hat, weiß aber, dass der Anteil des bloßen Präsentseins sehr wichtig ist, die Ansprechbarkeit, ohne dass etwas darüber hinaus Bestimmtes verlangt wird. Schon hierbei wird klar, welche Probleme das methodisch mit sich bringt, denn würde dieses Anwesendsein berücksichtigt, explodierte der Umfang unbezahlter Arbeit. Wir sprechen hier noch gar nicht von der nächtlichen Präsenz für all die Anliegen von Kindern.

Vollends vorbei ist es, und das räumen Schwarz und Schwahn ein, wenn die Besonderheit der Beziehung zwischen Eltern und Kindern oder anderen nahestehenden Personen berücksichtigt wird (siehe hier und hier) - sie lässt sich nicht messen. Worüber Zeitverwendungsstudien auf der Basis statistischer Verfahren also gar keine Auskunft geben, worüber das gemessene Volumen in Stunden unbezahlter Arbeit pro Jahr keine Auskunft gibt, ist, welche Bedeutung die besondere Beziehung zwischen hier zuvörderst Eltern und Kindern, aber auch anderen Menschen, denen man sich um ihrer selbst willen zuwendet, hat. Das ist auch eine Schwäche des "Care"-Begriffs, der es als solcher ebenso wenig erlaubt, die Eigenheiten des Beziehungsgefüges zu erfassen. Wie wichtig es ist, füreinander da zu sein, ohne miteinander direkt etwas unternehmen zu müssen, das ist gerade bei Kindern von großer Bedeutung. So hilfreich es also sein mag, um auf den Stellenwert unbezahlter Arbeit aufmerksam zu machen, so sehr verkürzt das bloße Messen des Stundenvolumens, worum es geht. Eine Verschlimmbesserung ist es, wenn mit guten Absichten versucht wird, unbezahlter Arbeit einen Preis zuzuordnen, um sie mit bezahlter Arbeit vergleichbar zu machen - Beziehung erhält einen Warenwert.

Und nun? Entscheidend bleibt für das Verständnis, auf die Besonderheit bestimmter Tätigkeiten auf der Basis ihres besonderen Beziehungscharakters hinzuweisen. Statt von Haushaltstätigkeiten und unbezahlter Arbeit zu sprechen, wäre es also wichtiger, die spezifischen Tätigkeiten zu benennen und in ihrer Eigenheit zu bestimmen. Sozialisatorisch hat Familie eine ganz andere Bedeutung und einen ganz anderen Stellenwert als Bildungsinstitutionen, sie sind nicht durcheinander ersetzbar, wie es die Debatte um Ganztagsbetreuung und -schule suggeriert. Es geht eben nicht einfach darum, "social skills" auszubilden oder "sozialen Austausch" zu haben. Den hat ein Säugling unmittelbar nach der Geburt schon vor allem mit der Mutter und dem Vater. Entscheidend ist, welche Beziehung diesem Austausch unterliegt und in welcher Phase der Entwicklung was wichtig ist. Wer diesen besonderen Beziehungen (in der Soziologie spricht man auch von diffusen Sozialbeziehungen) nicht den Raum und die Zeit gibt, die sie benötigen, muss sich über Folgen nicht wundern. Doch in Zeiten, in denen Wahlfreiheit und "Selbstbestimmung" individualistisch missverstanden werden, ist es schwer darüber zu diskutieren, dass die Aufmerksamkeit darauf, was Kinder benötigen, damit einhergeht, eigene Interessen als Eltern sehr weit zurückzustellen (so weit der Einzelne es aushalten kann, das darf nicht vergessen werden). Das ändert sich zwar altersspezifisch, werden Kinder älter, ist es immer weniger nötig, bleibt aber lange dominierend, sofern ernstgenommen wird, was Kinder artikulieren. Ein Bedingungsloses Grundeinkommen wäre hier deswegen enorm hilfreich, weil es genau dies ausdrücklich anerkennen würde, nicht individualistisch, sondern durch das Gemeinwesen. Das würde es für jeden einfacher machen, sich dieser Herausforderung zu stellen, ohne erwerbstätig sein zu müssen und zu sollen.

Sascha Liebermann

31. Oktober 2019

23. August 2019

"Kind oder Porsche"...

...auch wenn dieser Titel nicht ernsthaft wörtlich zu nehmen ist, weist der Beitrag von Christoph Schäfer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf einen wichtigen Punkt hin: die Aufwendungen, die Eltern für Kinder haben und welchen Einkommensverzicht dies mit sich bringt. Dass Eltern sich nicht aus einkommenskalkulatorischen Gründen für Kinder entscheiden, steht auf einem anderen Blatt, dennoch müssen sie sehen, wie sie die Aufwendungen stemmen können. Vor fünf Jahren hatte die Wirtschaftswoche ebenfalls die provokative Rechnung aufgemacht. Daten des Statistischen Bundesamtes dazu finden Sie hier.

12. Juli 2019

"Erwerbstätigkeit für 47% der Bevölkerung Haupteinkommensquelle"...

...oder andersherum 53% haben andere Einkommensquellen, leben also nicht "von der eigenen Hände Arbeit", wie illusionsgeneigt die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts deutet. Der "eigenen Hände Arbeit" ist eine beliebte Verklärung der angeblich individuell erbrachten Leistung, um von der umfänglichen Abhängigkeit von Leistungen anderer abzulenken. Alleine am Phänomen der "unbezahlten Arbeit" wird deutlich, wie sehr das eine ohne das andere gar nicht möglich ist, doch wer will sich das schon anhören, wird damit doch der Vorstellung das Wasser abgegraben, Leistung sei irgendwie eins zu eins zurechenbar - das ist die Illusion des Leistungslohns. Es lebt sich gut mit dem Märchen davon, dass die "einen für die anderen" bezahlen, die Erwerbstätigen also für die Nicht-Erwerbstätigen, ohne zu erwähnen, was die Nicht-Erwerbstätigen für die Erwerbstätigen leisten.

Sascha Liebermann

20. März 2019

"Zentrale Ergebnisse - Zweiter Engagementbericht 2016 Demografischer Wandel und bürgerschaftliches Engagement...

...: Der Beitrag des Engagements zur lokalen Entwicklung". Hier geht es zum Bericht, der im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellt wurde.

So wichtig dieses Engagment ist, sollte nicht übersehen werden, dass es nur einen Bruchteil "unbezahlter Arbeit" ausmacht. In 2013 wurden beinahe 80% der geleisteten Stunden pro Jahr mit Haushalts- und Gartenarbeit verbracht. Eine ausführliche Betrachtung aus Sicht der Statistik zu dieser Frage finden Sie hier, Kommentare von mir hier und hier.

Sascha Liebermann

30. November 2018

"Die Verteilung der Löhne und Gehälter in Deutschland"...

...ein Interview mit Roland Günther vom Statistischen Bundesamt. Günther erläutert auch, weshalb der Median ein hilfreiches Maß ist, um zu ermitteln, wie die Verteilung sich darstellt, anders als der arithmetische Mittelwert, der für die Bestimmung des Durchschnittseinkommens verwendet wird, das höher ausfällt als das Medianeinkommen.

16. November 2018

Datenreport 2018 ist erschienen...

...und bietet einen statistischen Einblick in die Lebensverhältnisse in Deutschland. Herausgeber ist das Statistische Bundesamt. Hier geht es zur Website.









5. November 2018

"19,0 % der Bevölkerung Deutschlands von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht"...

...meldet das Statistische Bundesamt. Siehe auch diesen Bericht im Deutschlandfunk und unsere Kommentare zum Thema "Armut".


23. Oktober 2018

Statistisches Jahrbuch 2018

Das Jahrbuch ist erschienen und beim Statistischen Bundesamt online verfügbar und bietet hilfreiche Daten für die BGE-Diskussion. Die Kapitel können auch einzeln abgerufen werden.








22. Oktober 2018

26. Juni 2018

8. Dezember 2017

"Ohne Ehrenamt ginge die Welt zugrunde" - ohne Haushaltstätigkeiten erst recht...

...das sei anlässlich eines Beitrags von Stephan-Andreas Casdorff im Tagesspiegel ergänzt, der zu recht auf die Bedeutung des Ehrenamtes hinweist und dabei eine mindestens ebenso wichtige Aufgabe nicht erwähnt: die sogenannten Haushaltstätigkeiten, die den größten Teil der "unbezahlten Arbeit" ausmachen. Was Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Kulturrats sagte "Ohne eine neue Bundesregierung scheinen wir gut monatelang auskommen zu können, ohne das Ehrenamt der Vielen würden wir es keinen einzigen Tag schaffen" gilt in noch größerem Maße - in Stunden gemessen - für Haushaltstätigkeiten. Siehe die Studien zur Zeitverwendung des Statistischen Bundesamtes.

5. September 2017

Wenn wieder Jubelmeldungen über den Arbeitsmarkt verkündet werden...

...dann ist ein Blick auf diese Graphik (Quelle) hilfreich. Siehe weitere Kommentare dazu hier.

Und wieder ein aufschlussreicher Beitrag von Stefan Sell zu dieser Frage.